Beziehung gefährdet: Es beginnt früher als gedacht …

Nicht erst Langeweile, tiefe Verletzungen und Seitensprünge sind Warnzeichen in Deiner Beziehung. Es geht bereits viel früher los. Wenn einzelne oder sogar mehrere der folgenden Anzeichen auf Deine Partnerschaft zutreffen, ist Deine Beziehung gefährdet. Du solltest die Anzeichen ernst nehmen und aktiv werden – bevor es zu spät ist. Je mehr Anzeichen auf Euch zutreffen, desto schneller und sorgfältiger solltet Ihr Euer Boot in eine andere Richtung rudern.

Die 5 Anzeichen, dass Deine Beziehung gefährdet ist und wie Du in eine andere Richtung steuern kannst

Es ist nicht die Tatsache, dass Ihr streitet, die erkennen lässt, ob Eure Beziehung gefährdet ist, sondern die Art, wie Ihr als Paar streitet. John Gottman, amerikanischer Psychologieprofessor und Paarforscher spricht von den “4 apokalyptischen Reitern” als den “Vorboten einer Trennung”: Kritik, Rechtfertigung, Mauern und Verachtung. Diese werden u.a. von Bas Kast, deutscher Wissenschaftsautor, ergänzt um den “fünften Reiter”, die Demonstration von Macht.

Hilfreich, um “das Ruder herumzureißen”, sind laut Gottman Humor, Zuneigung und Respekt. Wie das genau aussehen kann, zeigen wir Dir hier.

Kritik an der Person des Partners statt an seinem Verhalten

Wer seine Partnerin verurteilt oder ihr Schuld zuweist, ändert nichts an dem, was passiert ist. Die vergessene Geldüberweisung ist geschehen und nicht mehr zu ändern. Stattdessen: er hat seine Beziehung gefährdet.

Kritik gerät leicht zu allgemeiner Ablehnung an der Person selbst. Dann wird die Person kritisiert, anstelle ihres Verhaltens. Ergebnis ist: Beziehung gefährdet. Zur versäumten Überweisung heißt es dann “Wie kann ein Mensch nur so vergesslich sein?” Und wer die Eigenart seiner Partnerin kritisiert, verletzt sie. So verschlechtert sich schnell die Beziehung. “Du bist so langsam in deinen Entscheidungen.” oder “Du schon wieder, mit Deiner ewigen Besserwisserei!” An ihren Eigenschaften kann Deine Partnerin nur begrenzt arbeiten – bzw. ist es nicht Dein Recht zu erwarten, dass sie ihre Persönlichkeit ändert.

Stattdessen

Überlegt besser gemeinsam, wie Ihr auf die aktuelle Situation reagieren könnt. Schaut auf die Lösung statt auf das Problem.

Äußere Dich darüber, was am Verhalten Deiner Partnerin Dich stört. Das kann sie abstellen, wenn sie das möchte. Das hört sich dann so an: “Wenn wir uns nicht auf ein Urlaubsziel einigen, bekommen wir keine günstigen Flüge mehr.” Und: “Ich mag nicht von dir korrigiert werden, wenn unsere Freunde dabei sind.”

Ständige Rechtfertigung

Wenn Du Dich verteidigst, machst Du Dich zum Opfer und fühlst Dich auch als solches. Darauf folgen dann schnell Gegenangriffe des Partners. Beispiel: “Du bringst eine solche Hektik in unseren Alltag hinein. Nun setz dich doch endlich einmal hin.” Rechtfertigung in Form eines Gegenangriffes: “Wenn Du nicht so fürchterlich unordentlich wärst, hätte ich tatsächlich auch mal einen entspannten Abend.”

Wer sich rechtfertigt, rechnet meist auch auf, was der andere in die Beziehung einbringt: Ich habe heute dies getan und was hast Du zu unserem Alltag beigetragen? Dadurch wird die eigene Leistung überbewertet. Dann sieht man nicht, was auch der Partner für das Gemeinsame leistet. Beispiel: Der Eine hat die Steuererklärung gemacht, dafür hält der Andere den Kontakt zu Oma Hedwig.

Stattdessen

Beherzigt beide die VW-Regel: Verwandelt Euren Vorwurf in einen Wunsch. Beispiel: “Ich würde mich wohler fühlen, wenn Du neben mir sitzt.” und  “Bitte räum dein Geschirr in den Spüler, sonst kann ich mich nicht zu dir setzen.”

Mauern

Wer mauert, zieht sich zurück und tut so, als sei die Partnerin gar nicht vorhanden. Meist sind es Männer, die auf diese Art reagieren (aber nicht nur): durch anhaltendes Schweigen, keine Antwort geben, ausdrückliches Wegsehen oder Nicht-Hingucken. Beispiel: “Ich möchte mich bei dir entschuldigen” wird bewusst überhört.

Stattdessen

Macht Euch bewusst, dass jeder von Euch das Recht hat, in seiner Persönlichkeit respektiert zu werden. Ihr seid nicht gleich, und das ist auch gut so. Selbst wenn Du nicht jede Eigenart an Deiner Partnerin magst. Ihr dürft auch unterschiedlicher Meinung sein. Und nicht jedes Thema, das der andere anschneidet, wird Dich interessieren.

Mach Dir in diesen Momenten bewusst, dass Du nicht alles mit Deiner Partnerin teilen musst. Sie hat ein Recht darauf, sie selbst zu sein. Genau wie Du. Wenn Deine Partnerin von den Erlebnissen ihres Tages erzählt, gib ihr das Gefühl, dass Du Dich für sie interessierst. Sicher ist nicht alles wichtig und unterhaltend für Dich. Aber Du kannst Dich fragen, was Deine Partnerin  daran berührt, begeistert oder was genau sie ärgert. Was findet sie denkwürdig oder spannend? Guck sie an und beobachte, wie sie dabei lächelt, wie ihre Augen leuchten. Was an ihr magst Du, wenn sie so erzählt, wie sie erzählt?

Respektlosigkeit bis hin zur Verachtung

Schon Gleichgültigkeit kränkt. Wenn der Partner bei Deinen Erzählungen vom Arbeitstag nicht bei der Sache ist, dann aber aufblüht, wenn er von seinem neuesten Verkaufsprojekt in der Firma berichtet, ist das verletzend. Respektlosigkeit und Geringschätzung geht noch einen Schritt weiter.

Wer so reagiert, betrachtet den Partner von oben herab, macht sich über ihn und seine Schwächen lustig. Der andere macht in den eigenen Augen nichts richtig. Auch hier gilt: Beziehung gefährdet. Typische Reaktion:  Augenrollen. Noch respektloser ist eine zynische Haltung, die den Partner in seiner Würde herabsetzt. Er wird verspottet,  seine Gefühle werden bewusst missachtet und verletzt. Beispiel: “Egal, was du anziehst, deine dicken Oberschenkel kannst du nicht verbergen.” oder “Das schaffst du doch sowieso nicht.”

Stattdessen

Weise auf die Abwertung hin und zeige Deinem Partner eine Grenze auf oder sage ihm, was Du brauchst: “Hör bitte auf, mein Äußeres zu beurteilen.” oder “Ich bin traurig, dass mir der Kuchen nicht gelungen ist. Ich brauche gerade etwas Trost.”

Reagiere auf Geringschätzung nicht immer sofort. Mit etwas Abstand kannst Du selbst besser sachlich bleiben und verhinderst, dass sich die Kritik aufschaukelt. Verlasse möglicherweise den Raum. Dazu kannst Du sagen: “Das möchte ich mir nicht länger anhören.”

Wenn Du selbst zu Respektlosigkeit neigst, sorgst Du dafür, dass Deine Beziehung gefährdet ist. Sammle Deinen Ärger besser nicht an, sondern sag sofort, was Du Dir von Deiner Partnerin wünschst, wenn Dir etwas an ihrem Verhalten missfällt. Dadurch äußerst Du Dich deutlich sachlicher, als wenn Du wartest und Deinen Unmut häufst, bis er unkontrolliert aus Dir herausplatzt.

Gehe mit der Aufmerksamkeit zu Deinem Partner. Lenke Dich nicht durch Zeitunglesen oder plötzliche Einfälle darüber ab, was noch unbedingt eingekauft werden muss oder dadurch, dass Du während des Zuhörens plötzlich Wollmäuse unter dem Esstisch entdeckst. Frage Dich, was das Wertvolle an Deinem Partner ist.

Das echte Gespräch bedeutet, das eigene Haus zu verlassen und an die Tür des anderen zu klopfen.
Albert Camus

Konzentriere Dich auf das, was Dein Partner gerade für Bedürfnisse hat: was braucht er? Damit zeigst Du Mitgefühl. Gar nicht so einfach? Dann richte Dich zunächst mit Interesse und Anteilnahme auf das, was er Dir erzählt. Höre zu um zu verstehen und nicht um zu antworten. Vertiefe das Gespräch durch Fragen, wie “Was verstehst du unter …?”, “Was verbindest du mit dem Erlebten?”, “Was bedeutet das für dich?“

Macht demonstrieren

Macht zu demonstrieren bedeutet: die Beziehung ist gefährdet. Wer sich so verhält, lässt dem Partner keinen Raum und versucht seine Bedürfnisse durchzusetzen oder seine Interessen bestätigen zu lassen. Dazu “benutzt” er eventuell auch Kinder oder Freunde. Beispiel: Die Frau spricht ein zwischen den Partnern strittiges Thema genau vor den Freunden an, von denen zu erwarten ist, dass sie ihre Meinung teilen. Ihr Partner steht mit seinen Vorstellungen allein da. Bis dahin, dass er damit bloßgestellt wird. Das greift besonders bei Wertvorstellungen wie beispielsweise Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Treue.

Nicht so offensichtlich als Machtdemonstration zu erkennen, aber ebenso Raum nehmend ist es, wenn ein Partner regelmäßig zu spät kommt, seine Zeitschriften, seine Wäsche oder sein Bastelmaterial in der Wohnung verteilt liegen lässt.

Stattdessen

Bleibe gelassen. Ein Sprichwort sagt: Liebe mich am meisten, wenn ich es am wenigsten verdient habe, dann brauche ich es am meisten. Was also braucht Dein Partner genau jetzt? Kannst Du es ihm jetzt geben? Oder passt es eher später? Wenn Du in den Machtkampf einsteigst, ergibt ein Wort das andere. Lass Dich nicht auf eine Auseinandersetzung ein, sondern weiche einer Antwort aus. Wechsel das Thema. Das ist besonders dann wichtig, wenn andere Personen dabei sind.

Wenn Ihr alleine seid: begegne der Situation mit Humor. Kannst Du darüber lachen? Einen Spaß machen über das Zuspätkommen oder die herumliegenden Socken, der für Euch beide lustig ist? Hilfreich kann auch ein Kuss sein, den Du auf die Nasenspitze Deiner Partnerin drückst und sagst: “Den habe ich gerade gefunden, der wollte zu dir.” Dir fällt sicher etwas Passendes ein, wenn Du ein wenig darüber nachdenkst.

Unsere Anregung zum Ausprobieren und Weiterdenken

Magst Du darüber nachdenken, warum auch Du manchmal mit diesen oder ähnlichen Verhaltensweisen auf Deinen Partner oder Deine Partnerin reagierst? Sogar obwohl Du eigentlich merkst, dass “es gerade wieder losgeht”? Statt Dich dafür zu kritisieren, überlege einmal, wozu Du diese Strategie benutzt. Welchem Zweck dient Dein Verhalten? Was fehlt Dir? Welches Deiner Bedürfnisse versuchst Du damit zu befriedigen?  Und was könntest Du anderes tun, um zufrieden zu sein?

Wenn Du erkannt hast, was Du brauchst, formuliere in Form einer Ich-Aussage einen Wunsch an Deinen Partner, der Dein Bedürfnis ausspricht. Und zwar so konkret wie möglich. Zum Beispiel: “Wenn ich abends von der Arbeit komme, brauche ich eine Viertelstunde nur für mich, ganz alleine im Wohnzimmer, um zur Ruhe zu kommen. Kannst du dich bitte so lange den Kindern im Kinderzimmer beschäftigen?”

Und, ganz wichtig: Überlege einmal, wo Du Dir selbst genau das einmal “erlauben” kannst, was Du brauchst, damit es Dir gut geht – ganz ohne ein schlechtes Gewissen. Vielleicht gehst Du nach Deiner Arbeit eine Viertelstunde spazieren und fährst erst danach nach Hause zu Deiner Familie. Was genau wäre das, was Du Dir gönnen könntest? Welchen Wunsch könntest Du Dir selbst erfüllen? Denn nur wer gut zu sich selbst ist, kann auch für andere (gut) da sein.

Wir wünschen Dir viel Freude bei dieser kleinen Übung und gutes Gelingen!

Herzliche Grüße,

Alexander und Maren

Unsere Quellen und Buchempfehlungen zum Thema

John Gottman: Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe*

Bas Kast: Die Liebe – und wie sich Leidenschaft erklärt*

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