Hättest Du Deinen Mann oder Deine Partnerin gerne aktiver? Aufmerksamer? Weltgewandter? Sie oder er sollte weniger kritisch sein, mehr Sex wollen oder weniger arbeiten? Du hast Dich schon wieder geärgert. Augen gerollt. Immer dasselbe. Er nervt, mauert … Sie ist nachtragend, eingeschnappt … Wir sagen Dir: den Partner ändern geht nicht.

Dass er sich anders verhält wird nur passieren, wenn er es selbst will. Lies, warum das so ist und welchen Einfluss auf sein Verhalten Du trotzdem hast. Du kannst anders handeln und die eigene Sichtweise verändern. Und damit Deine Beziehung retten und mit Deinem Partner wieder glücklich(er) werden.

Änderungen im Verhalten sind anstrengend

Auch wenn es aus Deiner Sicht ein berechtigtes Anliegen ist, Deinen Partner ändern zu wollen: Er lässt sich eher nicht dadurch ändern, dass Du es von ihm forderst. Im Gegenteil: je mehr Du ihn in eine andere Richtung drängst, desto stärker wird er dagegenhalten. Das schädigt Deine Beziehung. Denn dass wir Menschen an gewohnten Verhaltensweisen festhalten, macht Sinn. Es lässt uns handlungsfähiger sein und Kraft sparen, wenn wir uns im Wesentlichen gleich verhalten und nicht immer wieder neu überlegen müssen, was zu tun ist.

Wenn Du Dir zum Beispiel wünschst, dass Dein Mann oder Deine Frau beim Frühstück mehr redet und nicht nur stumm das Müsli kaut, stellt das für jemanden, der eher ein ruhiges Wesen ist, eine große Herausforderung dar. Es strengt an, sich überlegen zu müssen, wovon man sprechen könnte. Und das schon morgens um sieben Uhr. Und es soll auch nicht jeden Morgen das Wetter sein … Sich immer wieder für etwas Neues zu entscheiden, kostet Energie, auch wenn es nur die Überlegungen für ein Gesprächsthema sind. Also bleiben wir bei unseren Gewohnheiten oder fallen nach kurzen Änderungen schnell wieder in das alte Verhalten zurück.

Finde heraus, was Deinen Partner motiviert

In erster Linie wirst Du Deinen Partner erreichen, wenn Du seine Sprache sprichst. Das heißt, dass Du darauf achten solltest, ihm Deine Liebe zeigen zu können, so dass es ihn anspricht. Da ist jeder Mensch anders. Manche wünschen sich eher Zärtlichkeit, um sich geliebt zu fühlen, andere eher gemeinsam Unternehmungen. Was ist es, das Deinem Partner das Gefühl gibt, dass Du ihn liebst?

In Eurer Partnerschaft werdet Ihr Euch eher nicht gegenseitig direkt und unmittelbar beeinflussen können. So funktioniert eine Beziehung nicht. Partner ändern geht auf gar keinen Fall durch Druck. Menschen müssen sich selbst verändern wollen. Das kann man beim Gegenüber am ehesten dadurch anregen, dass man an ihre oder seine Überzeugungen anschließt, also beispielsweise das ideale Bild des anderen von sich selbst anspricht. Ihn so nimmt, wie er sein möchte – auch wenn er sein eigenes Ziel nicht erreicht.

Angenommen, Du möchtest, dass Deine Frau Dich nicht mehr in der Öffentlichkeit kritisiert, weil Deine Schuhe nicht zu Deinem Hemd passen (“Wie hast du dich denn schon wieder angezogen, Jürgen?”). Dann sage ihr, wie sehr Du sonst Ihre Empathiefähigkeit schätzt, ihr Gespür für den passenden Augenblick. Wenn diese Eigenschaften das sind, wie sie sich gerne gibt, dann hast Du vielleicht Glück und sie hört Deinen Wunsch – dass sie ihr Verhalten ablegt, ist dann noch der zweite Schritt. Und dass sie das auf Dauer macht, wäre dann der dritte …

Für Veränderungen im Verhalten braucht es entweder eigenen Leidensdruck oder Begeisterung

Wenn Du Dir wünschst, dass Dein Partner Dir häufiger einmal Blumen mitbringt, dann wird er nicht darunter leiden, dass Du enttäuscht bist, wenn er keine mitbringt. Vielleicht  leidet er, weil Du nörgelst. Aber das wird er auf Dich beziehen und nicht auf sein eigenes Verhalten. Wenn Du ihn deswegen häufiger kritisierst, wird er auf Durchzug schalten. Und wenn er Blumen lieber in der Natur oder im Garten bewundert als in der Vase, entwickelt er keine Begeisterung für Rosensträuße.

Direkte Einflussname kann also passieren, aber sie ist an Bedingungen geknüpft. Der Erfolg ist trotz allem eher gering – jedenfalls langfristig gesehen. Denn Menschen fallen sehr schnell wieder in alte Verhaltensmuster zurück. Und langfristige Verhaltensänderungen erfordern Einsicht.

Eigenarten des Partners, die zunächst sympathisch wirken, werden später oft als massiv störend empfunden

Was ist der Grund dafür, dass Menschen ihre Partner gerne anders hätten? Sie betrachten den Menschen und weniger die Beziehung zu ihm. Häufig wählt jemand seinen Partner oder seine Partnerin danach aus, dass sie ihm etwas bietet, was er selbst nicht hat. Gegensätze ziehen sich an. Spannungen wirken interessant. Am Anfang wirkt der Reiz des Anderen: “Vielleicht ist er etwas eigenwillig, aber sympathisch.”

Partner ändern - Beziehung retten

Wer selbst gerne permanent nach der nächsten Herausforderung sucht, ist dann fasziniert von einem Partner, der einen zur Ruhe kommen lässt, der es lieber locker angeht: ausruhen statt ausgehen. Das gleiche gilt selbstverständlich auch umgekehrt. Später heißt es dann “Du gammelst nur auf der Couch herum …” Man hatte sich erhofft, selbst ein Stück dieser so ganz anderen Eigenschaft zu bekommen. Es sollte etwas auf die eigene Person abfärben. Aber das passiert meist nicht, weil auch wir selbst an unseren Gewohnheiten festhalten.

Das, was anfangs am Partner faszinierend anders war, wird später zum Störfaktor, wird dem Partner als Fehler angekreidet. In Folge lenkt man die Aufmerksamkeit mehr und mehr auf die vermeintliche Schwäche. Dabei neidet man dem Partner eventuell insgeheim seine Eigenart. Man hätte – immer noch – selbst gerne ein klein wenig davon. Deshalb gönnt man dem Partner die Ruhe nicht. Das läuft allerdings ganz unbewusst ab. Äußerlich stört und ärgert das Verhalten des Partners. Und je heftiger man für seine eigenen Interessen eintritt, desto stärker empfindet man den Unterschied zwischen dem Wunschbild vom Partner und der Realität. Das macht es noch einmal frustrierender.

Mehr noch: ist die Frustration erst einmal eingekehrt, dann unterstellt man gerne, der Andere würde nicht an sich arbeiten. Und noch schlimmer macht es der Gedanke: “Ich arbeite ständig an mir, aber der Partner nicht.” Vielleicht arbeitet er ja an sich; aber ganz anders als Du es tust oder als Du es erwartest? Und Du bemerkst es einfach nicht, hast dort einen “blinden Fleck”.

All das spielt sich im eigenen Kopf ab, in der Einstellung. Und die lässt sich bei sich selbst leichter ändern als beim Gegenüber.

Nicht den Partner ändern – setze an der Beziehung an statt bei ihm und seinem Verhalten

Betrachte das große Ganze. Blicke positiv auf Eure Beziehung und Deinen Partner. Sprich mit ihm darüber, wie Ihr Euer Miteinander weiter entwickeln könnt und was Du Dir dafür wünschst. Daran hat Dein Mann, hat Deine Frau möglicherweise Interesse. Wenn Dich etwas stört, grenze Dich stärker von Deinem Partner ab. Bleibe klar in der Sprache und beharrlich bei der Sache. Führe gleichzeitig einen Dialog und sei offen und diplomatisch. Gib Deiner Partnerin ein gutes Gefühl, indem Du auf sie eingehst, Positives hervorhebst, Anerkennung zeigst.  

Liebe ist die Anstrengung das Anderssein des Anderen zärtlich zu ertragen.

Noelle Chatelet

Wirkliche Liebe bedeutet (fast) bedingungslose Zuneigung

Nicht: den Partner ändern, sondern ihn so zu nehmen, wie er ist. So funktioniert eine liebevolle Beziehung. Nicht, dass der Andere so ist wie ich ihn gerne hätte. Oder so denken muss wie ich. Eigene Erwartungen an den Partner müssen von ihm nicht unbedingt erfüllt werden. Ich bin ich – du bist du. Das kann in dem Satz münden: “Es kann alles sein, ich werde dich immer lieben.” Ein hoher Anspruch, der, wenn überhaupt, nur geleistet werden kann, wenn man auf die Beziehung guckt und nicht auf die Person.

Ihr werdet Euch als Paar in einigen Bereichen ergänzen, ein gutes Team sein. In anderen unterscheidet Ihr Euch so, dass Ihr hier kein gutes Team seid. Die Frage wenn man liebt ist: Wie können wir uns so annehmen, wie wir sind? Welche Erwartungen und Hoffnungen sollten wir gegenseitig ablegen? Guckt auf Euer Miteinander. Schaut nicht vorrangig auf das Trennende, sondern auf das, was die Beziehung intakt hält. Beschließe, dass Dein Mann oder Deine Frau der passende Partner ist. Stell das nicht immer wieder in Frage.

Fang bei Dir an

Wir sind alle Zauberkünstler:
Es ist in uns gelegt,
die Welt um uns zu verwandeln,
indem wir die Welt in uns verwandeln.
Nicht was wir sehen,
sondern wie wir es sehen
bestimmt, was wir fühlen.
Der Schlüssel liegt in uns.

Ulrich Schaffer

Den Partner ändern mit einem anderen Blick

Was passiert durch eine veränderte Wahrnehmung Deiner Partnerin und des Zusammenlebens? Du akzeptierst, dass der andere sich nicht verändert und tolerierst deshalb eher sein Verhalten . Dadurch verändert sich etwas bei Dir. Und darauf dass Du Dich änderst, hast Du gezielt Einfluss. Und wenn Du Dich in diesem Sinne entwickelst, ist es möglich, dass Deine Partnerin oder Dein Partner sich auch anders verhält. Möglicherweise … Mache es nicht zur Bedingung für Deine Beziehung. Und mache Dein Glücklichsein nicht davon abhängig.

Das alles klingt einfach – aber nicht leicht. Und das muss auch nicht. Es ist ja Liebe.

Unsere Anregung zum Ausprobieren und Weiterdenken, wenn Du am liebsten Deinen Partner ändern würdest

Frage Dich in den kommenden Tagen einmal, was an Deinem Partner und an Deiner Beziehung zu ihm richtig gut ist. So gut, dass es sich auf gar keinen Fall ändern sollte. Was also soll so bleiben wie es ist?

Hast Du Interesse an weiteren Informationen zum Thema? Hier erfährst Du mehr, wie es (nicht) geht, den Partner ändern zu können:

In dem Buch Lob der Vernunftehe von Arnold Retzer* setzt der Psychologe und Paartherapeut sich praxisnah mit Erwartungen an den Partner und die Partnerschaft auseinander. Retzer rät zu „resignativer Reife“: Der Verzicht auf hartnäckige Veränderungswünsche  an den Partner führt aus seiner Sicht eher zu einer Veränderung als die mit Gegenwehr beantworteten Versuche, den anderen ändern zu wollen.

Retzer Lob der Vernunftehe Partner ändern

 

Die Ehe ist eine auf Vernunft gründende Lebensform, die wir aus Liebe eingehen.
Arnold Retzer

 

Seid gut zu Euch!

Herzliche Grüße

Unterschrift Alexander Maren

Alexander Klose und Maren Sörensen von Raumfüreuch - Paartherapie Online

Alexander Klose
Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis. Wohnt in Schleswig, ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Maren Sörensen
Diplom-Pädagogin und Systemische Therapeutin (SG). Ist in der Nähe von Flensburg verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne und zwei Enkelkinder.

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