Du fühlst Dich angegriffen, verletzt oder abgewertet, weil Dein Partner etwas zu Dir gesagt hat, das Dich kränkt? Du möchtest weinen oder weglaufen oder schreien, weißt nicht weiter? Wir sagen Dir, was Du tun kannst, damit Du wieder zu Dir selbst findest und zeigen Dir Möglichkeiten, Deinem Partner angemessen zu begegnen.

1. Frage Dich zunächst selbst, wie Du die (vermeintliche) Kritik verstehen kannst

Ist es wirklich klar, dass es sich um eine Kritik handelt? Und wenn ja, in welche Richtung geht die Kritik? Prüfe dies genau, bevor Du reagierst.

Angenommen, Dein Partner sagt, “Richtig blöd, dass wir heute zu Jürgen und Bettina müssen. Das ist das letzte, wozu ich jetzt Lust habe.” Jetzt kommt es darauf an, wie Du den Satz bewertest. Daraus ergibt sich, ob Du ihn als Kritik hörst oder nicht – und danach kann sich Deine Antwort richten. Dies sind vier unterschiedliche Arten, diesen Satz zu hören:

  • Der Satz sagt etwas über Deinen Partner aus.
    Möglicherweise ist Dein Partner einfach angespannt und seine Aussage sagt etwas über seine eigene Befindlichkeit aus und nichts über Dich. Du kannst ihn hören als “Ich hätte so gerne einen einen ruhigen Abend auf dem Sofa gehabt.”
  • Es handelt sich um eine einfache Aussage, die Dein Partner einfach einmal los sein wollte – nicht mehr und nicht weniger.
    Dein Partner kann mit dieser Aussage einfach feststellen, dass er gerade kein Interesse an einem Treffen mit Freunden hat. Mehr nicht. Punkt.
  • Der Satz sagt etwas über die Beziehung zwischen Dir und Deinem Partner aus.
    Er kann bedeuten, dass Dein Partner die Zeit lieber mit Dir allein verbringen möchte. Das kann dann sogar deutlich machen, wie wichtig Du ihm bist.

Die Aussage könnte auch bedeuten, dass Dein Partner mehr in die Entscheidungen über gemeinsame Freizeitaktivitäten eingebunden werden möchte. Das wäre dann eine Aussage darüber, wie Ihr miteinander umgeht. Dass er das Empfinden hat, ihr wäret nicht auf Augenhöhe hinsichtlich der Terminplanung.

  • Dein Partner appelliert an Dein Verhalten.
    Er wäre gerne gefragt worden, ob Ihr die Freunde besuchen wollt. Dann wäre das ein Appell an Dein Verhalten, ihn nächste Mal vorher zu fragen. Oder er wünscht sich von Dir, dass Ihr absagt. Das wäre eine eine Aufforderung an Dich, etwas an der Situation zu ändern oder die Bitte um Zustimmung zu einer Absage.

Wie Du siehst, lohnt es sich, zu prüfen, wie Du die Aussage interpretieren kannst. Und zwar bevor Du antwortest, damit Du Wahlmöglichkeiten in der Reaktion hast. Sonst ist eventuell gleich “Porzellan zerschlagen”, ohne dass es nötig gewesen wäre.

Dass Du Dich zurückgesetzt fühlst, muss möglicherweise gar nicht stimmig mit der Situation sein. Eine Hilfestellung für Deine Reaktion kann der Tonfall sein, in dem Dein Partner spricht. Aber auch das ist nicht immer eindeutig. Folglich kann es gut sein, nachzufragen. Das wäre die nächste Reaktionsmöglichkeit.

2. Frage bei Deinem Partner nach

Wenn Du nicht sicher bist, wie die Aussage Deines Partners gemeint ist, solltest Du nachfragen. Wie Du anhand der unterschiedlichen Hörweisen sehen kannst, lohnt es sich aber auch grundsätzlich einmal zu fragen: “Ich bin mir nicht sicher, wie Du das jetzt gemeint hast.” Oder “Habe ich Dich richtig verstanden, dass …?”

3. Schmiede das Eisen, wenn es kalt ist

Du kannst Dich entscheiden aus dem Raum zu gehen, wenn die Situation emotional geladen ist. Später, wenn Du etwas Abstand hast, klärt sich alles viel besser und Du kannst besonnener reagieren. Oder Dein Partner hat sich beruhigt, falls er aufgebracht war.

Wenn Du aufgebracht oder den Tränen nah bist, geh einfach kommentarlos. Du hast Zeit, Dich zu beruhigen und etwas Abstand gewinnen. Passend kann aber auf jeden Fall auch eine kurze Erklärung sein, wenn Du aus dem Zimmer gehst. “Ich möchte jetzt nicht darüber reden” oder “Lass uns das später klären”.

Entgegen des alten Sprichwortes lassen sich kalte Eisen besser schmieden, weil nicht mit einem kräftigen Schlag alles komplett “verbogen” ist.

 4. Sprich über Dich. Sag, was Du jetzt brauchst

Halte inne und frage Dich, was Dein Bedürfnis ist. Was brauchst Du jetzt? Abstand? Respekt? Ruhe? Verständnis? Wissen, warum er so empfindet? Alles das können Dinge sein, die Du jetzt gerne hättest. Die etwas über Dich aussagen. Teile es Deinem Partner über die drei folgenden Schritte mit.

  1. Wiederhole, was Du verstanden hast, so sachlich wie nur möglich: “Ich habe verstanden, dass Du heute keine Lust hast, Jürgen und Bettina zu treffen …”
  2. Benenne Dein Gefühl und mache daraus keinen Angriff: “… das verunsichert mich jetzt …” oder “… das macht mich traurig …” oder “… das ärgert mich …”
    (Ein Angriff wäre: “Du kränkst/ missachtest mich.”)
  3. Sag, was Du brauchst: “… Ich wünsche mir Respekt von Dir. Ich freue mich auf den Abend zu viert.”

5. Wechsle die Ebene: Sprich über das was mit Euch passiert, nicht über das Gesagte

“Wenn ich uns hier so aus der Ferne betrachten würde, dann täte uns vielleicht erst mal ein Spaziergang gut” oder “Wir könnten jetzt gerade beide im Krimi/ bei Loriot mitspielen” sind mögliche Sätze, die die Situation als solche aufgreifen. Die beschreiben, dass etwas “in der Luft” liegt. Dadurch wird Abstand möglich, ohne dass Du gehen musst. Um das noch zu unterstreichen und damit Du nicht zynisch wirkst, mache deutlich, dass Du Dir lieber Einvernehmen wünschst. Das wird klar, wenn Du Deinen Partner in den Arm oder an die Hand nimmst. Auch ein Lachen kann deutlich machen, dass Du gerne einen humorvollen Blick auf die Lage werfen würdest. Und dass Du jetzt keinen Streit willst.

Das bedarf beides viel Zuversicht und Größe von Deiner Seite. Und es funktioniert nur, wenn Dein Partner nicht extrem verärgert ist.

6. Setze eine Grenze

Fühlst Du Dich so richtig getroffen, abgeurteilt oder ungerecht behandelt? Dann sage “Stopp!” oder “So nicht mit mir bitte!” Beides klar ausgesprochen wäre ein deutliches Signal zum Beenden oder für eine Pause, ein Nachdenken. Lass eine Pause und sage danach nichts. Halte die Stille einfach aus. Es ist Zeit für eine Besinnung. Vielleicht für Euch beide.

Entweder redet Ihr nach einiger Zeit weiter und oder Du verlässt das Zimmer.

7. Fühle Dich in Deinen Partner ein

Nimm eine echte, verständnisvolle Haltung gegenüber Deinem Partner ein. Wenn Du es ehrlich kannst. Das kostet Dich sicher viel Kraft. Aber vielleicht braucht jetzt gerade er etwas Verständnis. Und dann sage ihm, was Du denkst, wie es ihm gehen könnte: “Wenn ich Dich so höre, dann brauchst Du vielleicht einen ruhigen Abend auf dem Sofa? Ist das so?”

8. Ermuntere Deinen Partner zu mehr Aussagen über sich

“Wo Du gerade dabei bist … Lass uns hinsetzen … Erzähl erst mal über Deinen Tag … Was möchtest Du (noch) loswerden?” Hör ihm einfach nur zu. Ohne zu antworten. Nur zuhören.

Auch hier ist wieder wichtig, dass Du das ehrlich so empfinden kannst: Interesse für Deinen Partner. Manchmal reicht es, ihn zu verstehen. Dann kannst Du sein Befinden vielleicht nachempfinden und es gutheißen, dass er absagt. Oder er konnte Druck loswerden und sagt am Ende “Ach komm, lass uns zu den beiden gehen. Vielleicht bringt mich das auf andere Gedanken. Wir brauchen ja nicht so lange zu bleiben.”

9. Schweige

Bevor Du in Deiner Kränkung etwas sagst, das leicht zu einer Eskalation führen kann oder das Du hinterher nicht mehr zurücknehmen kannst: Sag vielleicht einfach gar nichts. Zumindest wenn nichts geklärt oder entschieden werden muss, ist dies eine Möglichkeit. Wenn Dein Partner sich schon Richtung Kleiderschrank bewegt, um sich zum Besuch bei den Freunden umzuziehen (und Du Dich auf das Treffen freust), besteht erstmal keine Notwendigkeit zu antworten.

Schweigen kann Deinem Partner den “Wind aus den Segeln” nehmen. So kann er seine mögliche schlechte Laune nicht an Dir auslassen. Und Du gibst ihm nicht die Möglichkeit, noch mehr auf Dich abzulassen.

10. Vertrete vehement Deine Meinung

Dazu gehört allerdings, dass Du Deinen Partner nicht persönlich angreifst, sondern von Dir sprichst. Erst recht, weil Du Dich kritisiert fühlst. Steige nicht in eine sich aufschaukelnde Auseinandersetzung ein. Und Achtung: Nur weil Du “ich” sagst, sprichst Du nicht von Dir. “Ich finde Dich so anmaßend” ist dasselbe wie “Du bist anmaßend”.

Besser: “Ich freue mich auf den Abend. Ich habe keine Lust, mir jetzt anzuhören, dass Du kein Interesse daran hast. Wir haben erst vor vierzehn Tagen das Kino ausfallen lassen. Jetzt freue ich mich, mal wieder etwas zu unternehmen. Und Jürgen und Bettina bedeuten mir sehr viel. Wenn Du nicht magst, gehe ich auch alleine hin.” So oder ähnlich könnte es sich anhören, wenn Du von Dir sprichst und sehr deutlich Klartext redest.

Welche ist die richtige Reaktion?

Was das exakt Richtige ist, können wir Dir nicht sagen. Jede Reaktion kann komplett passend oder vollkommen falsch sein. Das hängt vom jeweiligen Zusammenhang, der jeweiligen Verfassung bei Dir und Deinem Partner und Eurer Vorgeschichte ab.

Viele der Reaktionen erfordern, dass Du auf Deinen Partner zugehst. Dass Du Deine Kränkung zurück stellst, um zu einer konstruktiven Lösung zu kommen. Du gibst Deinem Partner gewissermaßen Kredit.

Wir laden Dich ein, Dir damit mehr Wahlmöglichkeiten zu eröffnen. Dann bist Du flexibler. Und Dein Partner wird vielleicht sogar über Deine Reaktion überrascht sein. Irritationen unterbrechen die Situation und machen Neues möglich. Einen Versuch ist es doch wert, einmal anders zu reagieren als sonst. Mache einen Versuch. Solange Du nicht überreagierst und Deine eigenen Bedürfnisse nicht verleugnest: Was kannst Du verlieren?

Unsere Buchempfehlung zum Thema

Kommunikation in der Partnerschaft – ein Ratgeber: humorvoll, ungewöhnlich und sehr fundiert!

Joachim Engl und Franz Thurmaier: Wie redest Du mit mir?*

41zs TFRpKL

 

Wir wünschen Dir gutes Gelingen bei der Bewältigung Deiner Herausforderungen und einen wertschätzenden Blick auf Dich selbst und Deinen Partner!

Mehr zum Thema

Wenn Du weitere Anregungen und Beziehungstipps zum Thema Kommunikation und Konfliktlösung in der Partnerschaft suchst, findest Du hier mehr:

Miteinander Probleme lösen in 5 Schritten

Wie Konflikte in Deiner Partnerschaft entstehen und was Du tun kannst, um sie aufzulösen

5 Möglichkeiten, Deiner Partnerin Deine Liebe zu zeigen (und wovon es abhängt, ob sie wirken)
Im letzten Artikel geht es darum, dass Partner in Beziehungen unterschiedliche Sprachen sprechen (können), was konfliktträchtig sein kann – und wie Du damit umgehen kannst.

 

Seid gut zu Euch

 

Herzliche Grüße

Unterschrift Alexander Maren

www.raumfuereuch.com Newsletter 1

Alexander Klose

Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis. Wohnt in Schleswig, ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Maren Sörensen

Diplom-Pädagogin und Systemische Therapeutin (SG). Ist in der Nähe von Flensburg verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne und zwei Enkelkinder.

Und, was meinst Du?

Wir freuen uns über Deine Meinung zu diesem Thema, über Deine Ideen, Kritik oder Fragen. Bitte schreibe uns unten in den Kommentar!

color facebook 96 1

Folge uns auf Facebook für mehr Informationen und Anregungen.

 

Logo Raum fu r Euch transparent 1