Willst Du eine erfüllte und lebendige Beziehung führen? Wünschst Du Dir eine liebevolle Partnerschaft und willst trotzdem Du selbst bleiben? Anhand dieser 3 Beziehungstipps zeigen wir Dir, wie Euch das (weiterhin) gelingt.

1. Prüfe Deine Erwartungen

Einer der wesentlichsten Beziehungstipps überhaupt bezieht sich auf das, was Du denkst. Das was Du von einer Beziehung erwartest, bestimmt, womit Du Deine Partnerschaft und Deinen Partner oder Deine Partnerin vergleichst. Je höher Deine Erwartungen und Hoffnungen sind, desto schwerer ist es, Deine Beziehung als erfüllend anzusehen. 

Es kommt auf das richtige Maß an. Zu hohe Erwartungen an die Partnerschaft messen Deine Beziehung an einem Ideal von Harmonie, lebenslangem Begehren und permanent guten Gefühlen. Das ist nicht realistisch und macht Dich unzufrieden.

Gelegentlicher Ärger, Missverständnisse und Belastungen gehören zu jeder Partnerschaft. Und Krisen vereinzelt auch.

Wenn Du zu viel von Deinem Partner oder Deiner Partnerin erwartest, dann vergleichst Du ihn oder sie mit einem Ideal, vor dem Dein Partner oder Deine Partnerin ständig durchfällt. Klar, dass Du dann genervt bist. So kannst Du nur enttäuscht werden. Und zwar nicht wegen Deiner Partnerin oder Deines Partners, sondern wegen Deiner zu hohen Erwartungen. Über Deine Erwartungen bewertest und interpretierst Du das, was in Deiner Beziehung ist.

Du hast es selbst in der Hand, wie Du Deine Beziehung bewertest und womit Du sie vergleichst. Ein Vergleich mit dem Anfang Eurer Beziehung ist weder fair noch realistisch. Achte auf das, was jetzt erfüllend ist. Und das wird etwas anderes sein als zu Beginn Eurer Beziehung. Auf Deine Bewertung kannst Du aktiv Einfluss nehmen.

ln seinem Buch “Liebe” formuliert Wilhelm Schmid* es so:

Je nach Deutung erscheint die Liebe als angenehmes Gefühl oder bittere Enttäuschung, als nüchternes Kalkül oder verrückte Leidenschaft.

Wilhelm Schmid

Investiere in Eure Zukunft, denn nicht nur zu hohe Vorstellungen sind ungünstig. Zu niedrige Erwartungen opfern viele der Möglichkeiten, die in einer glücklichen Beziehung liegen. Schafft gemeinsam Visionen. Je größer Du denkst, desto mehr wird möglich sein. 

Hier kannst Du Dir dazu unseren kostenlosen kleinen Onlinekurs herunterladen,  in dem wir Dir zeigen, wir Ihr als Paar Eure Vision für eine glückliche Partnerschaft schaffen könnt – praktisch und wirksam!


So kommt Ihr über das Thema Erwartungen ins Gespräch

Frage Dich immer wieder einmal:

  • Ist das, was ich mir unter einer Beziehung vorstelle, angemessen? Realistisch? Passend zur Situation, in der ich mich beziehungsweise wir uns befinden?
    Erzähle Deinem Partner oder Deiner Partnerin von Deinen Gedanken.

Und: Deine Partnerin oder Dein Partner hat möglicherweise andere Vorstellungen, Erwartungen und Befürchtungen als Du. Fragt Euch, wie Ihr damit angemessen umgehen könnt.

  • Was kannst und willst Du erfüllen? Wie sieht es bei mir aus?
  • Wo sind Deine Grenzen? Wo sind meine?
  • In welchen Bereichen passen unsere Erwartungen zusammen?
  • Was passt nicht und wie wollen wir damit umgehen?

2. Gleiche Nähe und Distanz aus

In der Liebe geht es immer um Zugehörigkeit

Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist tief in uns verwurzelt. Es kommt noch aus einer Zeit, als unsere Vorfahren in Höhlen lebten und sich vor Säbelzahntigern und anderen Gefahren schützen mussten. Wer nicht dazu gehörte, war dem Tod ausgeliefert. Aus diesem Erbe heraus sehnst Du Dich nach Nähe, die Geborgenheit bietet. Daraus erwächst auch das wunderbare Gefühl nicht allein zu sein. Weiter noch: “gemeint” zu sein, nicht austauschbar, bis hin zu “die Eine” oder “der Eine” zu sein. Bindungshormone, die bei Zärtlichkeiten entstehen, unterstützen das.

Distanz ermöglicht es, in der Beziehung man selbst zu sein und zu bleiben

Nur mit Distanz bekommt Ihr wieder Neues in die Beziehung. Und für jeden Einzelnen gilt: Ohne Abgrenzung geht ein Partner im anderen auf und verliert sich. Eigene Bedürfnisse gibt es dann nicht mehr. Erst die Abgrenzung macht einen Partner  als ein Gegenüber attraktiv: Er hat Dir etwas Neues zu sagen, regt Dich durch andere Ideen an. Dadurch kann Distanz in der Partnerschaft Dich und Eure Beziehung bereichern.

Die passende Dosis

Nähe ohne Distanz geht nicht. Das Eine ist ohne das Andere nicht möglich. Aus dem Kontrast heraus entsteht die Dynamik. Zu viel Nähe erdrückt, zu viel Distanz macht Angst vor dem Verlust des Partners.

Dass beide Seiten ausgewogen sind, kannst Du nicht ausschließlich an räumlicher oder zeitlicher Nähe festmachen. Es geht nicht um Quantität, sondern um Qualität: Intensität wird möglich, wenn Ihr achtsam miteinander umgeht, füreinander da seid und füreinander einsteht. Das wird selbst oder gerade auch in kleinen Momenten der Achtsamkeit und der Aufmerksamkeit deutlich.

Wenn Du beispielsweise eine Fernbeziehung oder eine Wochenendehe führst, empfindest Du möglicherweise zu viel Distanz. Dann kannst Du die gemeinsame Zeit bewusst gestalten und genießen. Seid füreinander präsent und verliert gleichzeitig nicht die Anbindung an das Eigene. Viele Paare erleben es als angenehm, dann keine Arbeit mit in das Wochenende zu nehmen. Das bedeutet, sich ganz auf die Zweisamkeit zu konzentrieren. Aber: trotzdem gemeinsame Freundschaften zu pflegen, unterbricht die intensive Nähe ebenso wie WhatsApp-Nachrichten, Telefonate, Skypecalls oder FaceTime den Abstand in den Zeiten verringern, in denen Ihr getrennt seid.

Nähe und Distanz in unterschiedlichen Bereichen leben

Wenn Du oder Deine Partnerin Nähe oder Distanz in nur wenigen Bereichen einseitig auslebst, kann das für Euch beide belastend, einengend oder beängstigend sein. Es sei denn, es ist von Euch beiden gewollt und akzeptiert. Sonst entsteht ein Extrem, das den Bedürfnissen beider Partner in die eine oder andere Richtung nicht gerecht wird. Besonders gilt das für die Sexualität. Große Unterschiede in den Bedürfnissen werden hier von beiden Partnern als sehr leidvoll erlebt und erfordern meist Hilfe von außen.

Die Protagonisten des Roman Schmerz von Zeruya Shalev* (Kap.12) drücken das so aus:

Und sie sagt: “Es gibt alle möglichen Sorten von Nähe. Schade, dass du nur eine kennst.” Er stößt einen Seufzer aus. “Es gibt alle möglichen Arten von Distanz”, sagt er. “Schade, dass du nur eine kennst.”


So kommt Ihr über das Thema Nähe und Distanz ins Gespräch

Das Bedürfnis nach Nähe oder Distanz kann bei beiden Partnern unterschiedlich sein. Der Wunsch einiger Partner nach einem eigenen Freundeskreis, eigenen Hobbys, Freizeitaktivitäten und Reisen bis hin zu getrennten Wohnungen macht dies deutlich.

Tauscht Euch darüber aus, um Klarheit zu gewinnen:

  • In welchen Bereichen ist unser Bedürfnis nach Nähe und Distanz gleich?
  • Wo unterscheidet es sich?
  • Wie können wir dieser Unterschiedlichkeit Raum geben und unsere Interessen und Sichtweisen gelten lassen?
  • Wo liegt unsere jeweilige Grenze, dem anderen Distanz, z.B. in Form von Abgrenzung, Eigenleben und Freiheiten zu ermöglichen?
  • Welche Grenzen haben wir, bezogen auf Nähe?
    • Was ist Dir und was mir zu nah, zu eng, zu viel?
    • In welchen Bereichen fühlst Du und fühle ich das: Romantik, Zärtlichkeit, gemeinsam verbrachte Zeit, Räumlichkeiten, Gesprächsthemen … ?

3. Schafft schöne gemeinsame Erlebnisse

Schöne Erlebnisse verbinden. Und es gibt viele Anlässe für gemeinsame Erlebnisse und viele Möglichkeiten, diese auch zu gestalten. In der Partnerschaft lassen sie sich in drei Bereiche unterteilen: Rituale, Erlebnisse des Alltags und etwas ganz Neues, Besonderes. Für eine glückliche Beziehung ist es wichtig, Beständigkeit und Abwechslung zu balancieren.

Gemeinsame Rituale

Rituale sind wiederkehrende schöne Erlebnisse, die immer nach demselben Muster durchgeführt werden. Sie stabilisieren eine Beziehung, sie geben ein Gefühl von Beständigkeit. Du kannst Dich darauf schon lange vorher freuen und weißt, dass etwas in Deiner Beziehung Bestand hat. Das gibt Zuversicht.

Zu solchen Ritualen gehört beispielsweise, wie Feiertage, Geburtstage und Hochzeitstage zelebriert werden: mit immer wiederkehrenden Komponenten wie möglicherweise Gerichten, die gekocht werden, Blumen, Orten die aufgesucht werden. Auch Urlaube können ritualisiert sein. Einige Paare reisen beispielsweise regelmäßig an denselben Ort. Schöne gemeinsame Erlebnisse in Form eines Rituals können aber auch der regelmäßige Kinobesuch sein, das Treffen mit Freunden oder Verwandten oder das sonntägliche Lesen im Bett, vor dem Aufstehen.

Schöne Erlebnisse im Alltag

Deinen Alltag als Paar kannst Du und könnt Ihr schön gestalten, wenn Ihr mehr von dem tut, was Euch glücklich macht. Ganz einfach. Kino, Karten spielen oder Kamin anmachen. Sauna, sonnen oder schwimmen gehen.

Und noch? Auf die kleinen Dinge am Rande achten. Aufmerksamkeit in Form zärtlicher Gesten, Berührungen, Umarmungen oder eines Kusses, gelegentlich ein kleines Kompliment wirken sich ebenso Glück bringend auf eine Beziehung aus wie ein schön gedeckter Tisch, ein abendliches Gespräch. Erzählt Euch das, was am Tag schön für Euch war oder macht einander auf den allerersten Krokus oder die allererste Kastanie aufmerksam.

Den Alltag unterbrechen und ein schönes Erlebnis gestalten kann auch bedeuten, das nicht Naheliegende zu tun: einen Spaziergang zur Eisdiele machen, obwohl die Tiefkühltruhe von Vanille über Erdbeer bis Schoko so ziemlich jede Eissorte hergeben würde. Probiert eine Eissorte aus, die Ihr noch nie zuvor gewählt habt und genießt gemeinsam oder lacht über die Fehlentscheidung. Humor kann ein schönes gemeinsames Alltagserlebnis sein. Zusammen lachen über ein Missgeschick, den Montag zum siebtliebsten Wochentag küren oder sich über ein lustiges Ereignis aus der Vergangenheit amüsieren: worüber lacht Ihr gerne gemeinsam?

Außergewöhnliche oder besondere Erlebnisse

In diese Kategorie gehört alles, was Du in der Partnerschaft noch nie oder schon lange nicht mehr gemacht hast. Das kann sein, etwas ganz Verrücktes zu tun, sich einen besonderen Luxus zu gönnen, ein Abenteuer gemeinsam zu durchstehen: Picknick unter dem Brandenburger Tor, Trüffelöl aus Verona, mit dem Jeep durch Afrika oder eine Nacht auf dem Balkon schlafen und die Sterne zählen.

Auch unterschiedliche Vorlieben können Euch glücklich machen

Wichtig ist nicht, dass Du und er oder sie immer auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Das gelingt sowieso nicht. Wenn Du zu etwas wenig oder keine Lust hast, das Deinem Partner dagegen besonders gefällt, dann kannst Du Dich an seiner Begeisterung freuen.

In Deiner Beziehung kannst Du Dich bewusst entscheiden, etwa aus Liebe für den anderen zu tun, oder es in Form von Selbstfürsorge nicht zu wollen. Und dann stattdessen mit ihr oder ihm etwas anderes zu tun. Lustlosigkeit hilft keinem von Euch weiter. Aber: klare Entscheidungen für das eine oder für das andere.


So kommt Ihr über das Thema gemeinsame Erlebnisse ins Gespräch

Gemeinsam aktiv zu sein ist eine der besten Möglichkeiten, um eine Beziehung lebendig zu halten und auch um tiefe Momente der Zugehörigkeit zu erleben.

Schaut einmal, welche Unternehmung für Euch beide schön ist. In der Natur sein, ein gemeinsames Abenteuer zu durchstehen, zusammen ein Buch lesen oder einen Film anschauen – es gibt viele schöne Bereiche. Macht mehr von dem was Euch Spaß macht.

Und, auch hier geht es wieder um eine Balance: Was könnt Ihr unternehmen, das ganz anders ist als das was Euch sonst so viel Freude macht?

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Unsere Quellen und Buchempfehlungen zum Thema

Ein Sachbuch

Wilhelm Schmid: Liebe. Warum sie so schwierig ist und wie sie dennoch gelingt.*

Der philosophische Publizist Wilhelm Schmid schreibt hier in Kurzform über seine Erkenntnisse.

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Ein Tablebook im Miniformat mit Ideen für schöne Erlebnisse

Rosalie Tavernier: Einmal im Leben sollte jeder eine Dummheit aus Liebe begehen* 

Von Um-die-Wette-schaukeln bis Cabrio fahren hat Rosalie Tavernier viele kleine glückliche bis große außergewöhnliche Erlebnisse gesammelt, die sich auch für Paare eignen.

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Ein Roman

Zeruya Shalev: Schmerz*

Aus diesem Roman haben wir im Abschnitt “Unterschiedliche Bereiche von Nähe und Distanz” zitiert. Deshalb führen wir es hier als Quelle auf, auch wenn es darin nur am Rande um das Thema unseres Artikels geht. Empfehlen mögen wir das Buch trotzdem.

Die israelische Autorin Zeruya Shalev erzählt hierin die psychologisch fundierte Geschichte einer Ehe. Die Protagonistin findet ihre Jugendliebe wieder und begibt sich in eine Affäre, was sie in eine tiefe Krise stürzt. Es geht um Zerrissenheit und um die Frage, ob sich ein verpasstes Leben nachholen lässt.

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Wir wünschen Dir gutes Gelingen bei der Bewältigung Eurer Herausforderungen und wertschätzende Gespräche mit Deiner Partnerin oder Deinem Partner!

Mehr zum Thema

Wenn Du weitere Anregungen und Beziehungstipps zum Thema glückliche Partnerschaft suchst, findest Du hier mehr:

Geheimnisse guter Langzeitbeziehungen

Warum Deine Beziehung nicht perfekt und trotzdem gut genug ist

 

Seid gut zu Euch

Herzliche Grüße,

Alexander und Maren

Alexander Klose

Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis. Wohnt in Schleswig, ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Maren Sörensen

Diplom-Pädagogin und Systemische Therapeutin (SG). Ist in der Nähe von Flensburg verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne und zwei Enkelkinder.

 

Und, was meinst Du?

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