Eine glückliche Beziehung bedeutet Wertschätzung, Nähe, sich auf den anderen einlassen, später auch Vertrauen. Das wissen wir alle. Aber was steckt dahinter? Und vor allem: Wie können wir das Gefühl, erfüllt zu sein, pflegen? Wir zeigen Dir Möglichkeiten, Grenzen und Risiken.

Mit diesem Artikel folgen wir der Einladung unserer geschätzten Coaching-Kollegin Ulrike Bossmann von Soulsweet zu ihrer Blogparade. Thema: “Dein Weg in ein erfülltes Leben”.

Wie sich Beziehungen entwickeln und worin jeweils die Erfüllung und die Risiken liegen

Sagen wir es mal grammatikalisch etwas schräg: Es gibt mehrere “Erfüllungen” in Beziehungen. Das, was wir “Liebe” nennen, fühlt sich nicht immer gleich an. Es gibt verschiedene Phasen, die alle ihre Bedeutung und Berechtigung haben. Falsch interpretiert oder mit unangemessenen Erwartungen können sie aber auch Erfüllung verhindern.

1. Verliebtheit

In dieser Phase ist alles aufregend, leidenschaftlich und geprägt von Lebensfreude und Lust. Sexualität wird eine hohe Bedeutung gegeben. Dadurch sind wir teilweise blind, Störendes wird nicht wahrgenommen. Der Partner oder die Partnerin wird idealisiert und erhöht.

Die Forschung hat bestätigt: wenn wir verliebt sind, führt der Hormoncocktail dazu, dass unser Verhalten dem bei einem Rausch oder einer psychischen Erkrankung gleichkommt. Wir sind aufgedreht, der Himmel hängt voller Geigen. Wunderschön und Euphorie pur.

In dieser Phase kann man noch nicht unbedingt von einer Partnerschaft sprechen. Eher von “romantischer Liebe”, der Liebe um ihrer selbst willen. Erfüllung bedeutet hier auch Rausch. Dadurch sind wir aber sehr risikobereit: versprechen zu viel und verzichten leicht mal auf Safer Sex … Und es kann sein, dass wir uns letztendlich zu viel erhoffen und zu viel erwarten – ohne es jetzt schon zu ahnen. Wir denken gerade nicht.

2. Nähe und Auseinandersetzung

Irgendwann lässt die Euphorie nach. Und das ist vollkommen normal und vor allem gesund. Wir sind nicht mehr “blind”, sondern am Partner interessiert. Wir wollen wissen, was ihn – außer uns selbst – noch bewegt, wie er denkt, welche Interessen und Vorstellungen er hat. Wollen seine Meinung kennenlernen, sein Bild von der Welt. Es wachsen Intensität, Nähe und Vertrauen.

Gegen Ende dieser Phase kommt es zu Auseinandersetzungen: man setzt sich im wahrsten Sinne des Wortes auseinander. “Wer sich nahekommt, kommt sich ins Gehege” schreibt Arnold Retzer ins seinem Buch “Lob der Vernunftehe” (Seite 174). Die Partner probieren Grenzen aus und setzen Grenzen. Das ist wichtig, um auch innerhalb der Beziehung eine eigenständige Person zu bleiben und nicht mit dem Partner zu verschmelzen. Denn Eigenständigkeit, Unabhängigkeit und Selbstliebe (oder zumindest Selbstannahme) sind Voraussetzungen für Liebesfähigkeit. Daraus aber können Konflikte entstehen. Die Vorstellung, man könne alles genauso vom Partner oder der Partnerin erhalten, wie man es sich vorher ausgemalt hat, stellt sich jetzt häufig als Trugschluss dar. Dieser Anspruch erschwert es dann, Erfüllung in der Liebe zu finden.

Die Gefahr in dieser Phase liegt im nachlassenden Begehren, das Vertrautheit Platz macht. Die sexuelle Anziehungskraft flaut ab. Üblicherweise ist dieser Zustand nach einem halben bis drei Jahren erreicht. Je nach Temperament und Einstellung werden dann häufig neue Bindungen und neues Verlieben gesucht – oder man stolpert darüber. Vertrauen kann mit Langeweile einhergehen. Nähe kann auch einengend wirken.

Die Sexualität kann dann wieder aufregend werden oder als erfüllend erlebt werden, wenn das Paar experimentiert und Neues ausprobiert. Und zwar nicht nur sexuell. Das wiederum erfordert auch Vertrauen. Wir muten uns zu. Erfüllung ist möglich, wenn man sich einlässt und trotzdem man selbst bleibt.

3. Im Gleichgewicht: Ich + Du + Wir

Wer geblieben ist, führt jetzt eine Langzeitpartnerschaft. Idealerweise sind wir auf dem Boden der Tatsachen angekommen, Realismus ist eingekehrt. Wir versuchen nicht mehr, die Partnerin oder den Partner zu ändern, haben uns arrangiert und akzeptieren einander wie wir sind. Lassen uns und unsere individuellen Eigenarten gelten. Ohne Erwartungen und daher ohne zu kämpfen. Ich darf ich sein und du darfst du sein. Und wir lieben vermutlich auch das, was der Partner in Zukunft sein wird. Dann lassen wir Spannung zu und Spannung bedeutet Lebendigkeit.

Liebe kann in einer erfüllten Langzeitbeziehung nahezu bedingungslos sein. Bedingungslosigkeit der Liebe stellt für uns eine Sehnsucht dar. Das wollten wir schon als Kinder gerne: von unseren Eltern bedingungslos geliebt werden. Und nicht alle von uns haben das das bekommen. Es ist sogar eher unwahrscheinlich. Eltern machen manchmal (auch ohne das zu wollen) Zuneigung von guten Zensuren oder sauberen Kleidern abhängig. Vom Interesse am Geige spielen oder sportlichem Ehrgeiz. Oh …. Jetzt sind wir fast abgeschweift … Was wir damit sagen wollen ist: die Sehnsucht nach vollkommener Annahme bleibt. Und wenn sie in einer Liebesbeziehung erfüllt werden kann, beglückt das umso mehr.

Manchmal ist die Liebe in einer Langzeitbeziehung auch platonisch. Einvernehmlich. Das Paar braucht Sexualität  nicht mehr, stattdessen ist reine Intimität da: das tiefe Gefühl einander zu kennen und sich geöffnet zu haben. Man guckt sich gewissermaßen ins Herz statt in die Augen – in Abwandlung eines Zitats des Dichters Musa Ceylan “Liebe ist, wenn sich die Augen im Herzen treffen.” Andere Paare erleben gerade in Langzeitbeziehungen eine erfüllende Sexualität, die frei ist von falscher Rücksichtnahme, Leistungsdruck und Versagensängsten und geprägt von Intimität und Genuss miteinander statt füreinander.

Idealerweise bleiben Paare also zwei Einzelwesen nebeneinander mit einem Miteinander. Haben eine gemeinsame Schnittmenge, bilden ein gutes Team. Ich und ich und wir. Alles besteht gleichwertig. Und man ist füreinander so etwas wie eine Heimat.

Die Gefahr einer solchen Liebe liegt in der  Verschmelzung, in fehlender Identität. Dann sind wir eben keine Einzelwesen mehr und können uns nur spüren, wenn wir uns im Partner oder der Partnerin spiegeln.

Ein weiteres Risiko bedeutet, dass wir uns in zu viel Harmonie begeben, das warme Gefühl der Geborgenheit zu hoch bewerten und uns nicht mehr weiterentwickeln. Wir haben Angst vor dem Verlust der Beziehung und verfallen in Gewohnheit bis hin zu Stillstand.

Eine Beziehung braucht dauerhaft Entwicklung

Beziehung ist Arbeit. Trotzdem kann die Liebe scheitern. Entwicklung bei zwei Menschen muss nicht immer bedeuten, dass sie beide in dieselbe Richtung gehen. Vielleicht macht das die erfüllende Liebe so kostbar: dass sie nicht selbstverständlich ist. Und Erfüllung bedeutet ja auch, “voll” zu sein. Lasst einfach trotzdem immer ein wenig Platz für das was kommt. Und Platz zwischen Euch. Trotz des Risikos. Für die Lebendigkeit.

Quelle unseres Zitats

“Lob der Vernunftehe” von Arnold Retzer*. Der Arzt, Psychologe und Paartherapeut Arnold Retzer beschreibt dort auf ironische Art sieben Möglichkeiten, wie Paare ihre Ehe erfolgreich “an die Wand fahren” können.

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Wir wünschen Dir eine erfüllte Beziehung und gutes Gelingen bei der Bewältigung Deiner und Eurer Herausforderungen!

 

Seid gut zu Euch

 

Herzliche Grüße

Unterschrift Alexander Maren 2

 

raum fuer euch Maren und Alexander

Alexander Klose

Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis. Wohnt in Schleswig, ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Maren Sörensen

Diplom-Pädagogin und Systemische Therapeutin (SG). Ist in der Nähe von Flensburg verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne und zwei Enkelkinder.

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