Persönliche Freiheiten, Kindererziehung, Finanzen, Urlaubsplanung … Themen gibt es in Beziehungen genug, die gemeinsam zu klären sind. Und zwar sowohl in aktuell schwierigen wie auch in intakten Partnerschaften.

Mit unseren Beziehungstipps kannst Du gemeinsam mit Deinem Partner Beziehungsprobleme lösen – Schritt für Schritt.

Vorab: Gestaltet gemeinsam den Rahmen

Wählt bewusst eine Zeit und einen Ort aus, wo Ihr Euch besonders wohl fühlt. Welche Erfahrungen mit konstruktivem Problemlösen habt Ihr dazu als Paar gemacht: klärt Ihr besonders gut abends in der Küche, wenn die Kinder im Bett sind? Bei einem Spaziergang in der Natur? Auf dem Sofa mit Wolldecke und einem Glas Wein? Manche Paare nehmen sich dafür auch über ein Wochenende eine Auszeit im Hotel. Was macht Euren guten gemeinsamen Rahmen aus?

Wichtig ist, dass sowohl Du als auch Dein Partner konzentriert sein können. Zeitnot ist genauso wenig hilfreich wie eine mögliche Störung durch einen Telefonanruf, eine Handynachricht oder jemanden, der plötzlich an der Haustür klingelt.

1. Beginnt mit dem, was gut funktioniert

Mit dem anzufangen, was in der Partnerschaft erfolgreich läuft, schafft die Grundlage für ein konstruktives Gespräch.

Bevor Ihr also den Konfliktpunkt aufgreift: fragt Euch, auf welche Stärken Ihr aufbauen könnt. Tragt erst einmal zusammen, was in der letzten Zeit in Eurer Beziehung gut funktioniert hat: Was habt Ihr gemeinsam Schönes erlebt? In welchen Momenten seid Ihr gut miteinander umgegangen? Was habt Ihr zusammen geschafft?

Es geht nicht darum, dass Du und Dein Mann oder Deine Frau durch die rosarote Brille auf Eure Partnerschaft blicken. In allem was in Eurer Beziehung funktioniert, stecken bereits Ansätze für Lösungen. Wenn Ihr Euch also daran erinnert, dass Ihr beispielsweise in der vergangenen Woche die Vorbereitungen für die Party mit Freunden fast wie mit links bewältigt habt, dann wird deutlich, mit welchen Verhaltensweisen Ihr gemeinsam ein gutes Team seid. Und schöne Erlebnisse stärken Euer Wir-Gefühl.

2. Entwickelt eine Vision

Denkt darüber nach, wie es sein kann. Schwelgt in einem Zustand, in dem das Problem bereits gelöst ist. Was genau macht Ihr dann auf welche Weise? Was daran macht Euch zufrieden und glücklich? Wobei hilft das? Was daran ist nützlich? Die Vision darf ruhig ein klein wenig größer sein als das, was Ihr momentan für realistisch haltet. Und formuliert Eure Vision in der Gegenwartsform. z.B.: “Es ist so schön, dass wir dann samstags wieder … machen.”

3. Benennt ein Ziel

Formuliert Euer konkretes, erreichbares Ergebnis als eine Vision. Was wird sein, wenn Eure Beziehungsprobleme gelöst sind? Wer macht dann was? Ganz realistisch, konkret und umsetzbar. Das gelingt am besten mit einer möglichst SMARTen Zielformulierung:

 

SspezifischBenennt Euer Ziel klar und unmissverständlich: Genau da wollen wir gemeinsam hin. So soll es am Ende sein. Das wollen wir erreichen.
MmessbarBeschreibt, woran Ihr später objektiv erkennen könnt, dass das Ziel erreicht ist: benennt beobachtbares Verhalten für jeden von Euch. Wer macht was?
Aattraktiv und aktivFormuliert Euer Ziel positiv: sagt aus, was statt des jetzigen Zustands da sein wird, nicht, wovon Ihr wegwollt.

Benennt etwas, das Ihr durch Euer eigenes Verhalten herbeiführen könnt. Eigenaktiv. Denn: was bei der Lösung Eures Problems im Außen anders sein wird bzw. sich im Allgemeinen ändern wird, darauf habt Ihr keinen Einfluss.

RrealistischPrüft Euer Ziel und benennt es so, dass Ihr es auch erreichen könnt. Es darf herausfordernd und anstrengend sein, Ihr müsst es aber in absehbarer Zeit erreichen können.
TterminiertLegt einen so weit wie möglich konkreten Zeitpunkt fest, zu dem Ihr Euer Ziel erreicht haben wollt. Ist es Euch bis dahin nicht gelungen, das Ziel zu erreichen, dann könnt Ihr den Problemlösungsprozess in seinen fünf Schritten nochmals durchlaufen.

4. Macht einen Plan

Verdeutlicht Euch, dass Eure Zielerreichung aus einzelnen Schritten besteht. Was ist der erste kleine Schritt in Richtung Lösung? Wer von Euch macht welchen ersten Schritt? Beginnt jeweils mit dem ersten Schritt.

5. Feiert die Lösung des Problems

Wenn das Ziel (annähernd) erreicht ist: wertschätzt Euch dafür! Wie ist es Euch gelungen, das Problem zu lösen? Was hat jeder von Euch dazu beigetragen? Würdigt gemeinsam Euren jeweiligen Einsatz für die Zielerreichung.

Was lässt sich aus der Problemlösung Positives für Euch als Paar gewinnen: Wie hat sich die Bewältigung der Situation auf Euer Wir-Gefühl ausgewirkt? Welche (gegenseitigen) Bedürfnisse konntet Ihr klären?

Damit stärkt Ihr Euch für das nächste Problem, denn:

Probleme lösen sich in der Regel nicht auf, sondern ab.
Kurt Ludewig

That’s life, oder: so geht Beziehung!

Beziehungsprobleme lösen, auch wenn es nicht so einfach ist

Nicht jede Herausforderung lässt sich (leicht) bewältigen. Hat sich nach der festgelegten Zeit nichts oder zuwenig an der Situation geändert? Wenn es (so schnell) keine Lösung gibt, dann einige Dich mit Deinem Partner darauf, wie Ihr damit umgehen wollt. Klärt gemeinsam, was geschehen soll: Was bist Du bereit zu akzeptieren? Wozu ist Dein Partner bereit?

Es kann sein, dass Du Dich anders entscheidest als Deine Partnerin oder Dein Partner. Einer ist mit dem Ergebnis zufrieden, kann akzeptieren, der andere nicht. Dann könnt Ihr mit der Problemlösung wieder von Neuem beginnen, Schritt für Schritt.

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Und am Ende gibt es nur drei Möglichkeiten: Love it, change it or leave it.

  • Love it:
    Lerne die Situation zu lieben oder als unlösbar zu akzeptieren oder ganz bewusst hinzunehmen.
  • Change it:
    Ändere etwas. Etwas zu ändern kann auch bedeuten, dass Du Deine Einstellung dazu änderst, wenn sie ansonsten unlösbar ist. “Darin sind wir eben unterschiedlicher Meinung, so ist das eben” oder “Mir sind andere Dinge in unserer Beziehung wichtiger” sind mögliche Gedanken darüber.
  • Leave it:
    Verlasse die Situation. Das kann bis dahin gehen, dass Du Deine Beziehung beendest, wenn das Thema für Dich entscheidend ist und eine Lösung für Dich  für eine Partnerschaft zwingend erforderlich ist. “Leave it” kann aber auch bedeuten, dass Du Deine Partnerschaft fortführst und sagst: “Ich nehme es so hin, aber darüber diskutiere ich nicht mehr”.

Redet miteinander um Euch zu verstehen, nicht um zu antworten.

Unsere Buchempfehlung zum Thema

Die Gesprächsangebote aus dem Buch 100 Fragen, die Ihre Beziehung retten von Peter Wendlbringen Paare ins Gespräch über das, was ihre Beziehung zusammenhält,  und auch über die jeweiligen Bedürfnisse. Der intensive Austausch ermöglicht einen Dialog, d.h. aufeinander einzugehen. Treten Probleme auf, können sie mit dieser Kompetenz konstruktiver angesprochen und bewältigt werden.

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Eine Frage in eigener Sache

Liebe Leserin, lieber Leser – wir bemühen uns, Euch auf unserer Seite hochwertige Informationen und Unterstützung zu bieten, damit Ihr Eure Partnerschaft mit eigenen Kräften in eine schöne, gesunde und liebevolle Richtung bringen könnt. Die Methoden, die wir Euch vorstellen und empfehlen, stammen aus der Paarberatung und Paartherapie und werden normalerweise mit einer erfahrenen Beraterin/ einem erfahrenen Berater gemeinsam durchgeführt und bearbeitet. Wie geht es Euch damit?

Wir würden uns – insbesondere nach diesem doch recht anspruchsvollen Artikel – über eine Rückmeldung von Euch freuen: Könnt Ihr Euch vorstellen, diese Methode gemeinsam zu nutzen? Würdet Ihr Euch eine intensivere Unterstützung oder Begleitung (z.B. per Skype oder Email) dazu wünschen? Was sind Eure Fragen zur Methode oder zum Vorgehen?

Mehr zum Thema

Und wenn Du weitere Anregungen zum Thema Konfliktlösung in der Partnerschaft suchst, findest Du hier mehr:

Wie Konflikte in Deiner Partnerschaft entstehen und was Du tun kannst, um sie aufzulösen

 

Seid gut zu Euch

 

Wir wünschen Dir gutes Gelingen bei der Lösung Eurer Herausforderungen und wertschätzende Gespräche miteinander!

 

Herzliche Grüße,

Alexander und Maren

 

Alexander Klose

Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis. Wohnt in Schleswig, ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Maren Sörensen

Diplom-Pädagogin und Systemische Therapeutin (SG). Ist in Flensburg verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne und zwei Enkelkinder.

 

 


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