Probleme am Arbeitsplatz und Unzufriedenheit im Job können die Beziehung belasten. Wenn die Arbeit die Beziehung belastet, braucht der Umgang beider Partner aus ihrer jeweiligen Position heraus Fingerspitzengefühl. Die folgenden Tipps machen es möglich.

Wie wirken sich Jobprobleme auf die Beziehung aus?

Je nach Zustand der Partnerschaft, haben Probleme am Arbeitsplatz oder Unzufriedenheit im Job einen anderen Einfluss auf die Beziehung. Sie können

  • vorhandene Schwierigkeiten in der Beziehung verschärfen
  • eine Herausforderung für die Partnerschaft sein, die gemeinsam bewältigt wird – oder auch nicht
  • der Beziehung Tiefe geben, indem das Thema gemeinsam angegangen wird und zu Wachstum und Entwicklung eines oder beider Partner führt.

Erfahrungsgemäß belasten alltägliche Ärgernisse eine Beziehung stärker als größere Probleme, die plötzlich von außen auftreten. Größere Probleme schweißen Paare eher zusammen, wenn das Paar die Fähigkeit besitzt und die Möglichkeit hat, damit konstruktiv umzugehen. 

Dabei kommt es auch auf die Persönlichkeit der Partner an. Es gibt 3 typische Reaktionen auf Stress: 

  1.     Angriff/Kampf
    Ein oder beide Partner werden aktiv: sie sind motiviert, mit der Situation aktiv umzugehen und sie zu lösen. Es kann aber auch zu Kritik kommen; beispielsweise wenn der unzufriedene Partner negative Erfahrungen am Arbeitsplatz in die Beziehung weiterträgt. Häufig ist auch fehlende Wertschätzung oder mangelndes Verständnis für die jeweilige Situation der Partner gegeben.
  2.     Flucht
    Die Flucht vor Problemen zeigt sich beispielsweise darin, Dinge nicht wahrhaben zu wollen und die Bedrohung durch die Situation zu verleugnen, aber möglicherweise auch in übermäßigem Alkoholkonsum, der die Beziehung weiter belasten kann. Daneben kann eine Fluchtreaktion darin bestehen, dass vermehrt und im Übermaß Ablenkung und Lebensfreude in anderen Lebensbereichen gesucht wird. Eine Fluchtreaktion kann auch dazu führen, dass Verständnis oder Abstand zu den beruflichen Problemen in Kontakten zu anderen Menschen gesucht werden – letztendlich bis hin zu Affären.
  3.     Rückzug
    Wenn in der Partnerschaft einer oder beide Partner keine Kraft für einen konstruktiven Umgang mit den Jobproblemen haben, ist eine häufige Reaktion der Rückzug (vom Partner)  bis hin zu depressiven Störungen. Beim Gegenüber führt Rückzug häufig zum Insistieren, was den Rückzug verstärkt und umgekehrt.

Die Auswirkungen, wenn die Arbeit die Beziehung belastet, bestehen immer in einer Wechselwirkung. Je feinfühliger, gelassener und zugewandter der eine Partner sich verhält, desto mehr fühlt sich der andere wertgeschätzt und verstanden und kann auch auf seine:n Partner:in entsprechend eingehen. So können Paare auch bei Streit in der Beziehung gelassen bleiben.

Arbeit belastet Beziehung

Wie du deine Partnerschaft schützt, wenn die Unzufriedenheit über deine Arbeit die Beziehung belastet

Rede Klartext, wenn du der unzufriedene Teil bist, um deine Partnerschaft nicht zu sehr zu belasten.

Zwei Dinge machen Klartext möglich:

  1. Sprich über dich, damit dein:e Partner:in deine Stimmung nicht als gegen sich gerichtet versteht. Teile deine Angst, Wut, Hilflosigkeit oder was du sonst fühlst und teile auch deine Bedürfnisse, statt deinen Unmut undifferenziert zu äußern oder deine Befindlichkeit in dich hinein zu fressen.
  1. Sage, was du dir vom anderen wünschst – und was nicht.
    Wünschst du dir von deinem/deiner Partner:in, dass er/sie 
  • dir zuhört
  • Tipps gibt, die dir neue Impulse geben
  • für Ablenkung sorgt, damit du zu Hause auf andere Gedanken kommst?

Was ist ein gesundes Maß an Beteiligung der eigenen Stimmungen in deiner Beziehung, wenn du im Job unzufrieden bist?

Wenn du im Job unzufrieden bist und die Arbeit deine Beziehung nicht zu sehr belasten soll, dann müssen – zumindest auf lange Sicht – die eingebrachte Belastung und die Ressourcen in deiner Partnerschaft sich mindestens (!) die Waage halten. 

Wie du die Ressourcen erhöhst 

Beziehungspflege ist immer eine gute Wahl, damit die Liebe bleibt:

  • Kenne die Bedürfnisse deines/deiner Partner:in und deine eigenen
  • Fülle dein Beziehungskonto über die 5:1-Regel: Damit eine Störung deine Beziehung nicht ins Minus bringt, musst du mindestens fünf positive Dinge einbringen, z.B. ein Kompliment oder eine sonstige kleine Freude machen.
  • Entwickelt zu zweit eine Vision und arbeitet die Meilensteine heraus, damit ihr wisst, wo ihr gemeinsam hin wollt.

Und umgekehrt: Was kannst du als Partner:in tun, wenn dein Mann/deine Frau immer genervt von der Arbeit nach Hause kommt?

Du kannst den anderen unterstützen, damit die Arbeit nicht die Beziehung belastet. Folgende Dinge sind dabei hilfreich:

  • Frage, was dein:e Partner:in von dir braucht (s.o), z.B. dein Ohr, deine Meinung oder Ablenkung
  • Sei dem anderen beim “Goaling” behilflich: Unterstütze ihn/sie dabei, die Probleme in Ziele zu verwandeln.
  • Wechsle die Perspektive und versetze dich in deine:n Partner:in hinein, damit du dein Verständnis für seine/ihre Situation erhöhst. So kannst du die Unzufriedenheit des anderen besser akzeptieren und trittst nicht zu fordernd auf, indem du erwartest, der andere möge sich doch z.B. “nicht so hineinsteigern”.
  • Deute die Unzufriedenheit deines Partners/ deiner Partnerin um: Wofür ist das gezeigte Verhalten des anderen gut, in welcher Hinsicht ist es auch ein gutes Zeichen? Wer unzufrieden ist, nimmt die Dinge beispielsweise nicht (mehr) hin, sondern ist auf dem Weg zu einer Veränderung, statt Ärger nur in sich hinein zu fressen.
    Dazu passt, was Kelly McGonigal zum Thema Stress formuliert:

    “Stress ist das, was entsteht, wenn etwas in Gefahr ist, das mir am Herzen liegt.”

    Deinem/deiner Partner:in ist seine/ihre Arbeit wichtig. Er/sie geht nicht gleichgültig an die Arbeit heran.

  • Mache euer Zuhause auch zur arbeitsberuhigten Zone: Rede nicht nur über die Belastungen des anderen und seine Arbeitssituation, sondern hilf ihm dabei, mehr von den gelingenden Alltagsdingen tun, z.B. gemeinsame Spaziergänge, zusammen kochen o.ä.

Macht es Sinn, den oder die Partner:in in Konfliktsituationen zu konfrontieren, wenn seine/ihre Arbeit die Beziehung belastet? 

Zunächst ist Verständnis unverzichtbar

Erstmal solltest du als Partner:in zu Hause dem/der anderen gegenüber Interesse zeigen, nachfragen und zuhören – und nicht gleich konfrontieren, sondern Raum bieten dafür, dass er/sie sich weiter öffnen kann. Wer sehr unzufrieden ist und von sich aus über längere Zeit an seiner Arbeitssituation nichts ändert, sucht oft ein Ventil. Dass dein:e Partner:in sich weiter öffnet, kannst du mit diesen zwei vertiefenden Fragen ermöglichen:

  • “Was genau meinst du damit?”
    Du kannst mit dieser Frage auch Ausdrücke oder sogar einzelne Begriffe nachfragen, denn meinst meinen wir, dass wir alles verstanden haben – ohne dass klar ist, dass wir unter einem bestimmten Begriff dasselbe verstehen.

    Ein Beispiel: “Was genau meinst du mit ‘Alle Kollegen sind blöd’”?
  • “Mit welchem Erlebnis verbindest du das?”
    Bei dieser Frage geht es darum, nach (früheren) Erfahrungen deines/deiner Partner:in mit dieser Situation oder mit einem Verhalten zu fragen.

    Ein Beispiel: “Die Kollegin schmeichelt sich nur noch beim Chef ein.” Du könntest nachfragen: “Kennst du solche Erfahrungen auch von früher, dass sich jemand einschmeichelt?” Eine beispielhafte Antwort deines/deiner Partner:in könnte sein: “Ja, schon mein Bruder hat sich immer bei unseren Eltern eingeschmeichelt. Sowas will ich einfach nicht mehr mitmachen.”

Mehr zum vertiefenden Fragen findest du in meinem Beitrag Wie du deiner Partnerin besser zuhören kannst

Unzufriedenheit Arbeit belastet Beziehung

Konfrontation braucht eine gute Basis, um zu wirken und nicht mehr kaputt zu machen

Wenn du ausreichend Raum gegeben hast, kann (nach einiger Zeit) auch eine vorsichtig Konfrontation deinem/ deiner Partner:in weiterhelfen und eure Beziehung entlasten, wenn die Arbeit eure Beziehung belastet und nichts vorangeht. Konfrontationen setzen aber immer eine gute Beziehung voraus, damit sie nicht als Angriff oder Vorwurf aufgenommen werden und der andere sich (weiter) zurückzieht. Neben der Konfrontation könntest du etwas sagen wie “Ich stehe zu dir” oder ihn ganz bewusst in den Arm nehmen, um ihm/ ihr zu zeigen, dass er/sie mit der Unzufriedenheit im Job nicht allein dasteht.

Aber wann ist der passende Zeitpunkt für eine Konfrontation gegeben? Wenn Zustimmung und Zuhören immer mehr desselben sind, stagniert die Lösung eines Problems. Bekräftigung tut zwar (zunächst) gut, aber wenn dein/deine Partner:in von allen Seiten hört (und nicht nur von dir) “Du hast es aber auch schwer”, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er oder sie im Leid stecken bleibt. Abgesehen davon, dass auch du irgendwann an die Grenzen deines Verständnisses gerätst …

Folgende Konfrontationen könnten hilfreich sein:

  • Frag nach, was dein/deine Partner:in im Sinne einer Selbstfürsorge für sich tun kann und will, um sich und die Beziehung durch die Arbeit nicht weiter zu belasten.
  • Einen Perspektivwechsel anzuregen, kann dem anderen neue Impulse geben: “Was würde deine Kollegin bei sich zu Hause über dich und deine Arbeitssituation erzählen?”

Aber: Du solltest nicht überreagieren und überinterpretieren. Sei dir immer bewusst: Menschen verhalten sich in unterschiedlichen Situationen anders. Wenn du denkst, du wüsstest, was für deine:n Partner:in das Beste ist, kannst du dich täuschen. Sage dir immer, wenn du eine These oder Lösung für den anderen hast: Es könnte auch ganz anders sein!

Wo sind die Grenzen? Was solltest du vielleicht nicht hinnehmen und eine Veränderung aktiv einfordern?

Jeder Mensch hat seine eigene Schmerzgrenze beim Ärger über die Partnerin. Allgemein lässt sich sagen: Wenn der/die Partner:in massiv unter Unzufriedenheit im Job leidet und das die Beziehung stark belastet, solltest du reagieren, wenn

  • keine Bewegung in die Sache kommt, aber dein:e Partner:in sehr leidet
  • dein:e Partner:in seine/ihre Situation nicht reflektiert 
  • dich überhaupt nicht einbezieht 

Frag dann bestimmt nach. Sprich dabei über dich und wie der aktuelle Zustand dich beeinträchtigt (z.B. dass du dir Sorgen machst)  und was dadurch zwischen euch passiert. Aber spricht nicht über die Sache! Frag deine:n Partner:in, was er/sie denkt, wie ihr gemeinsam aus der Krise wieder heraus kommt. Wenn ihr es nicht schafft, nach und nach eure Konflikte in der Partnerschaft lösen  zu können und durch die Unzufriedenheit im Job eure Beziehung gefährdet ist, solltet ihr eine Paarberatung aufsuchen.

Aber bedenke bei allem: Die Tür zur Veränderung geht von innen auf. Vorsichtig anzuklopfen ist eine Möglichkeit (Eintreten von außen funktioniert nur bedingt). Menschen verändern sich nur, wenn das, was wir ihnen sagen bei ihnen auf Resonanz trifft. 

Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung der Tipps, die ich bei Anja Worm, Coach für berufliche Veränderung bei Montags gerne aufstehen im Interview gegeben habe. Das vollständige Interview und viele weitere Beiträge kannst du in Anjas Podcast hören, z.B. bei Apple Podcasts oder Google Podcasts

Der MONTAGS-GERNE-AUFSTEHEN-PODCAST - Anja Worm

Meine Buchempfehlung zum Thema “Wenn die Arbeit die Beziehung belastet”

Monika Röder, Der kleine Eheretter, Ein einfaches 3-Schritte-Programm*

Monika Röder verdeutlicht, wie sich die Gefühle im Streit hochschaukeln und wie darauf auch der Körper reagiert. Um gelassen zu bleiben, ist daher Selbstregulation sehr wichtig, damit die Partner aus dem Kampf aussteigen und die eigenen Bedürfnisse klar formulieren können. Mehrere Beispiele und Abbildungen machen verständlich, wie die Partner sich wieder gut begegnen können. Übungen helfen dabei, sich besser regulieren zu können.

Streit - Der kleine Eheretter

Seid gut zu Euch!

Herzliche Grüße

Unterschrift Maren

Maren Sörensen von Raumfüreuch - Paartherapie Online

Maren Sörensen
Diplom-Pädagogin und Systemische Therapeutin (SG). Ist in der Nähe von Flensburg verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne und drei Enkelkinder.

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