Vertrauen zu schenken, bildet eine starke Basis für eine glückliche und verbindliche Partnerschaft. Es entspricht einer Bandbreite von Hoffen über Zuversicht bis hin zur Erwartungen an den*die Partner*in. Wenn aus Verliebtheit Liebe erwächst, entwickelt sich Vertrauen von selbst. Vertrauen aufbauen bzw. Vertrauen wieder aufbauen ist dagegen ein aktiver Prozess, der meist nach einer Enttäuschung notwendig wird.

Was bedeutet Vertrauen in einer Beziehung?

Vertrauen ist der Glaube daran, dass wir uns auf unsere*n Partner*in in seinen Worten und seinen Handlungen verlassen können. Wir verlassen uns damit weitestgehend darauf, dass der andere die Macht, die er über uns hat, nicht missbraucht, sondern sich ihrer würdig erweist. Vertrauen kann sogar bedingungslos sein.

Als menschliches Grundbedürfnis stellt Vertrauen einen kostbaren, bewahrens- und schützenswerten meist gemeinsamen Wert in einer Beziehung dar.

Wenn es uns gelingt, dem anderen unser Vertrauen zu schenken, dann führt das zu mehr Wohlbefinden und kann letztendlich sogar unsere (psychische) Gesundheit stärken. Vertrauen ist somit eine Ressource, um in einen erwünschten Zustand zu kommen. Auf der Gegenseite stehen Zweifel und Misstrauen bzw. Angst und Eifersucht.

Vertrauen aufzubauen lohnt sich

Ein Vertrauensaufbau in der Partnerschaft bringt sehr viel für eine glückliche Beziehung.

Beiderseitiges Vertrauen hat die folgenden Vorteile:

  • Es ist mehr Kooperation und eine bessere Zusammenarbeit möglich, um als Paar ein gutes Team sein zu können.
  • Gemeinsame Gespräche und der Austausch untereinander fallen leichter.
  • Kontrolle ist nicht nötig.
  • Wir können einander intime Dinge anvertrauen, ohne dass dieses Wissen vom anderen missbraucht wird.
  • Nur so können wir uns innerhalb der Partnerschaft gut weiterentwickeln.

Vertrauen ist eine doppelte, beiderseitige Aufgabe

Der Individualpsychologe Alfred Adler sieht Vertrauen in einer Beziehung als zwei voneinander getrennte Aufgaben der Partner*innen an:

  • Jeder hat die Aufgabe, dem anderen zu vertrauen. Es ist nicht meine Aufgabe, dass der andere mir vertraut. Dazu gehört Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz ist die Herausforderung, die der andere zu bewältigen hat: sich selbst so annehmen zu können, wie man ist und zu erkennen, dass es die eigene Aufgabe ist, zu vertrauen, um die Beziehung zu verbessern.
  • Jeder hat andererseits die Aufgabe, das Vertrauen nicht auszunutzen. Es ist nicht meine Aufgabe, nicht ausgenutzt zu werden. Diese Aufgabe liegt beim anderen: sich meines Vertrauens würdig zu erweisen. Darum muss ich mich nicht kümmern. Das ist nicht meine Aufgabe.

Vertrauen fußt auf Selbstvertrauen

Die zentrale Person, der wir vertrauen können sollten, sind wir selbst. Ohne Selbstvertrauen ist ein stabiles Vertrauen in eine*n Lebensgefährt*in nicht möglich: Wir können anderen nur glauben, wenn wir an uns selbst glauben können. Und wir können eine vertrauensvolle Beziehung nur aus uns selbst heraus herstellen. Je stärker das Selbstvertrauen desto größer ist auch unser Vertrauen in den*die Partner*in.

Derart gestärkt, besitzen wir die Fähigkeit, mit den Stürmen des Lebens umzugehen und auf unsere eigene Stärke zu bauen: “Was auch passiert, ich werde einen Weg finden, damit umzugehen.” Vertrauen kann grundsätzlich nur wachsen, wenn wir uns unserer Beziehung und dem Leben als solches gewachsen fühlen. Selbstvertrauen ist Voraussetzung dafür, Unsicherheiten eingehen und aushalten zu können.

Doch auch Wissen über Partnerschaft und Kenntnisse über Bewältigungsstrategien bei Krisen – durch die Tipps auf meiner Seite Raum für Euch – können dir eine gewisse Sicherheit vermitteln und erweitern so auch ein wenig dein Selbstvertrauen, weil du dich in der Beziehungsgestaltung kompetenter fühlst. Grundsätzlich ist Selbstvertrauen etwas, das du in allen Lebensbereichen spüren oder aufbauen solltest.

Vertrauen hängt von unseren (Vor-)Erfahrungen ab

Das Vertrauen selbst hängt dann von den Erfahrungen ab, die wir mit dem*der Partner*in machen. Aber auch Erfahrungen aus vorherigen Beziehungen spielen in unsere Vertrauensfähigkeit hinein: solche mit anderen Partner*innen, Freund*innen, Eltern oder sonstigen wichtigen Personen unseres bisherigen Lebens.

Ein daraus entstandenes allgemeines Misstrauen ist eine Art Selbstschutz vor Enttäuschungen und Verletzungen durch andere.

Vertrauen schenken heißt willentlich Vorschuss geben

Vertrauen bedeutet, den ersten Schritt zu tun, auch wenn Du die Treppe noch nicht ganz sehen kannst.

Martin Luther King

Vertrauen zu schenken erfordert Mut. Denn Vertrauen heißt immer, zu geben, ohne zu wissen, ob der*die Partner*in unseres Vertrauens würdig ist. Im Vertrauen steckt “sich trauen” – und eben nicht wissen.

Wie können wir Vertrauen aufbauen?

Wie wir gleich zu Beginn einer Beziehung die Vertrauensbildung fördern können

Den ersten Schritt zu tun und Vertrauen zu schenken, fällt dem anderen dann besonders leicht, wenn

  • er*sie bisher im Leben schon gute Erfahrungen gemacht hat (okay, das liegt natürlich nicht in unserer Hand)

und wenn wir

  • Sympathie ausstrahlen
  • Zuneigung, Zuwendung, Interesse und Verständnis zeigen
  • Gemeinsamkeiten erkennen oder herstellen können
  • uns so verhalten, dass unsere Handlungen berechenbar sind
  • hilfsbereit sind
  • mehrfach Absprachen einhalten
  • Humor besitzen

Vertrauen aufbauen bedarf fortlaufend unterschiedlicher Komponenten, Qualitäten und Kompetenzen

  • Vertrauen entsteht, wenn Liebe wächst

Solange eine Beziehung nur aus Leidenschaft besteht, kann noch gar kein Vertrauen da sein. Denn Vertrauen baut sich zunächst von selbst auf, wenn aus Verliebtheit Liebe erwächst.

Vertrauen schafft dann Harmonie, Einigkeit und Zusammenhalt.

  • Emotionale Nähe verstärkt das Vertrauen und umgekehrt baut Vertrauen die Bindung zueinander auf

Vertrauen entsteht aus Nähe und schafft gleichzeitig Nähe bzw. stellt Nähe sicher. Intimität und Nähe sorgen dafür, dass Vertrauen aufgebaut wird. Bei Nähe wird das Kuschelhormon Oxytozin ausgeschüttet und bewirkt, dass wir Vertrauen empfinden. Genauso ist es auch umgekehrt: Vertrauen pusht wiederum dieses Hormon. Signale, die die gegenseitige Verbundenheit deutlich machen, befördern die Vertrauenswürdigkeit ebenso wie die Vertrauensfähigkeit.

  • Loyalität ist Basis des Vertrauens

Fehlende Wertschätzung in der Partnerschaft lässt auch das Vertrauen sinken. Wer sowohl im Miteinander mit dem*der Partner*in als auch in der Öffentlichkeit deutlich macht, dass er hinter dem anderen steht und ihn schätzt, liebt und mit allen Eigenarten akzeptiert, kann viel dazu beitragen, dass Vertrauen aufgebaut wird.

  • Vertrauen zu schenken ist eine Fähigkeit, die wir trainieren können

Unser Vertrauen in uns und schließlich in die Welt haben wir im Laufe unserer Lebens gelernt – oder auch nicht. Bereits als Säugling haben wir über verlässliche Bezugspersonen erfahren, dass wir uns darauf verlassen können, dass alles Gute im Leben wiederkommt. Das nennen wir in der Psychologie das Urvertrauen.

Vertrauen wird so zur Fähigkeit. Sie ist mit Gelassenheit verbunden. Vertrauen ist unverkrampft. Wenn wir uns in unterschiedlichen Beziehungen mit grundsätzlich verlässlichen Menschen umgeben, können wir unsere Vertrauensfähigkeit weiter ausbauen.

  • Zuverlässigkeit bildet die Grundlage von Vertrauen

Im Laufe der Zeit entsteht aus unserer Verlässlichkeit beim anderen die Zuversicht, dass wir uns auch zukünftig vertrauenswürdig zeigen werden.

Bereits mehrmaliges Zuspätkommen oder andere Verhaltensweisen, in denen wir uns nicht verlässlich zeigen, kratzt dagegen an unserer Zuverlässigkeit. Denn Zuverlässigkeit erfordert, sich regelmäßig verlässlich und damit vertrauenwürdig zu zeigen.

  • Treue zahlt auf das Vertrauenskonto ein

Damit ist nicht nur sexuelle Treue gemeint, sondern Treue in jeglicher Form: dem*der Partner*in “treu zur Seite stehen”, z.B. hilfsbereit sein, dem anderen etwas zutrauen, an ihn glauben oder auch zum anderen zu halten, wenn er es braucht.

  • Vertrauen braucht Ehrlichkeit

Vertrauen aufzubauen erfordert Transparenz. Je mehr wir in der Lage sind uns zu öffnen, desto stärker erwecken wir beim anderen das Empfinden, uns vertrauen zu können. Schon kleine Lügen können das Vertrauen nachhltig erschüttern. Nicht umsonst hat sich der Spruch in uns eingeprägt: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht – und wenn er doch die Wahrheit spricht.

Sicher ist es nicht ganz so drastisch. Dennoch: Wer Vertrauen aufbauen will, sollte dafür Sorge tragen, möglichst offen zu kommunizieren.

Aber: Verschwiegenheit statt radikaler Offenheit an der einen oder anderen passenden Stelle kann dafür sorgen, dass das Vertrauen nicht erschüttert wird. So kann es angemessen sein, einen einmaligen Seitensprung auf rein körperlicher Ebene nicht zu gestehen, wenn er ansonsten für die Partnerschaft selbst ohne Bedeutung ist und eventuell sogar die Sexualität innerhalb der Beziehung beflügelt. Und wieder ein Aber: dann sollte sichergestellt sein, dass die Sache nicht auffliegt …

Pauschalisierungen sind hier allerdings nicht ganz einfach.

Vertrauen braucht Einsatz von beiden Seiten

Ich denke, dass ich schon deutlich gemacht habe: Ein Partner alleine kann in einer Beziehung kein Vertrauen aufbauen. Vertrauen erfordert immer einen beiderseitigen Vorgang: vertrauensfähig zu sein als derjenige, der vertrauen entwickeln möchte – und vertrauenswürdig zu sein von Seiten desjenigen, der das Vertrauen des anderen gewinnen und erhalten möchte.

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser – dieser Gedanke wirkt in einer  Liebesbeziehung zerstörerisch

Wer kontrolliert, möchte sich der Gewissheit nähern Sicherheit bekommen – und wird sie doch nie erreichen. Denn selbst die stärkste Kontrolle kann etwas übersehen.

Gleichzeitig wäre es naiv und leichtsinnig zu glauben, in einer Beziehung grundsätzlich lebenslang blind darauf vertrauen zu können, dass die Partnerschaft gegen Reize von außen oder aus der eigenen Reizbarkeit heraus immun ist. Tatsächlich ist es sogar so, dass bei blindem Vertrauen die Wahrscheinlichkeit steigt, hintergangen zu werden. “Gelegenheit macht Diebe”, wie es so schön heißt …

Und wieder ein Perspektivwechsel, der etwas ganz anderes aussagt: Wenn dein*e Partner*in dir vertraut, unabhängig davon, wie man du ihn*sie behandelst, wird es dir schwerer fallen, ihn*sie zu auszunutzen, zu hintergehen oder zu betrügen.

Aber Kontrolle ist einer Liebesbeziehung unwürdig, weil sie von Misstrauen ausgeht und nicht von den Ressourcen und den Stärken des anderen. Sie entmündigt sogar den*die Partner*in und wertet den anderen ab: Ich traue es dir nicht zu, dass du vertrauenswürdig bist.

Und – ganz nebenbei – Kontrolle gerät selbst schnell außer Kontrolle. Wer erstmal beginnt, das Handy des Partners auszuspionieren, gerät schnell in einen Sog, dies regelmäßig und gründlicher zu tun. Wer beispielsweise eifersüchtig ist, ist ja ängstlich auf der Suche nach einem Beweis für sein Misstrauen und das Gefühl der Bedrohung durch eine weitere Person – und wenn nichts gefunden wird, wird immer weiter gesucht. Dieses Verhalten verselbständigt sich sehr schnell – obwohl es ja eigentlich das Misstrauen verringern sollte. Aber genau das funktioniert so nicht. Im Gegenteil.

Wie wir nach einem Vertrauensmissbrauch wieder Vertrauen aufbauen können

Vertrauen kann uns jederzeit wieder entzogen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist nach einem vorangegangenen Vertrauensmissbrauch sehr wahrscheinlich.

Vertrauensaufbau von der Seite dessen, der das Vertrauen des*der Partner*in gebrochen hat

Du kannst den erneuten Aufbau von Vertrauen beim anderen mit diesen folgenden Handlungsweisen fördern:

  • Aufmerksame und einfühlsame Zuwendung zum*zur Partner*in in offenen und ehrlichen Gesprächen
  • Die Angst es anderen vor weiteren Verletzungen ernst nehmen, ihn nicht weiter in seiner bedingten Sicherheit bedrohen, sondern berechenbar sein

Wieder Vertrauen lernen von der Seite des*der Partner*in, dessen Vertrauen gebrochen wurde

Vertrauensbereitschaft bedeutet, den Willen zu haben, dem anderen nach einem Vertrauensmissbrauch erneut einen Kredit zu geben. Das gelingt am besten in Situationen mit einem geringen Risiko, wieder missbraucht zu werden. Das sind solche, die für uns leicht sind, in denen wir am wenigsten Angst haben, dass unser vorab geschenktes Vertrauen nicht bestätigt werden wird.

Bei sich selbst dem anderen gegenüber wieder Vertrauen aufbauen zu können, erfordert Klarheit und braucht eine Entscheidung, die Angst vor weiterer Verletzung überwinden zu wollen: “Ich bin bereit, dir erneut zu vertrauen!” Dazu gehört, Situationen auszuhalten, in denen der andere genau dieses ihm erneut geschenkte Vertrauen beweisen kann.

Im besten Fall mache ich dann eine (neue) Erfahrung: missbrauchtes Vertrauen tut weh, aber ich kann es überleben.

Du kannst dich fragen:

  • Wie weit hat der Gedanke des Misstrauens noch heute Auswirkungen auf mein Leben?
    (Dass mein Vertrauen missbraucht wurde, hat weh getan. Aber wenn ich die Angst nicht überwinde, kann ich auch nicht die Erfahrung machen, dass meine Angst unbegründet ist.)
  • Muss das Vertrauen wirklich endgültig weg sein – und damit auch alles Schöne, was sonst da war?
  • Bestrafe ich mit meinem Misstrauen möglicherweise nicht nur meine*n Partner*in, sondern auch mich selbst?
  • Wie weit bin ich bereit, mich erneut darauf zu einzulassen, dass der andere sein Bestes gibt, um sich wieder meines Vertrauens würdig zu erweisen – ohne mich zu enttäuschen oder zu verletzen?

Begleitend ist es hilfreich, das Selbstvertrauen (wieder) aufzubauen.

Vertrauen ist eine Entscheidung

Vertrauen ist ein Glauben und kein Wissen. Somit ist Vertrauen auch eine Entscheidung. Vertrauen brauchst du genau in den Situationen, in denen dir nicht alle Fakten und Informationen zur Verfügung stehen. Dann kannst du dich bewusst dafür entscheiden zu vertrauen.

Und wie gehen wir sicher mit der verbleibenden Unsicherheit um? Indem wir akzeptieren, dass es keine Sicherheit geben kann. Punkt. Vertrauen erleichtert so das Leben. Natürlich ohne naiv zu sein. Aber das habe ich ja bereits weiter oben erwähnt …

Wer seinem*r Partner*in ein weiteres Mal vertraut, kann verletzt werden. Aber wer nicht vertraut, verletzt sich selbst. Er nimmt sich die Chance auf Nähe.

Die andere Seite der Medaille: Vertrauen ist ein Geschenk

Vertrauen, das gebrochen wurde, entwickelt sich nur langsam wieder neu. Du kannst Vertrauen aufbauen, ganz allmählich – aber du kannst das nicht erzwingen. Denn wieder zu vertrauen heißt auch, sich erneut verletzbar zu machen.

Meine Buchempfehlung zum Thema “Vertrauen aufbauen”

Eva Schulte-Austum: Vertrauen kann jeder. Das Rezeptbuch für ein erfülltes Leben*

Vertrauen aufbauen

Seid gut zu Euch!

Herzliche Grüße

Unterschrift Maren

Maren Sörensen von Raumfüreuch - Paartherapie Online

Maren Sörensen
Diplom-Pädagogin und Systemische Therapeutin (SG). Ist in der Nähe von Flensburg verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne und drei Enkelkinder.

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