Fragst Du Dich manchmal, wie einige Paare das machen: sie bleiben Jahre oder jahrzehntelang zusammen, während andere sich frühzeitig wieder trennen? Wir zeigen Dir, wie Menschen in einer glücklichen Langzeitbeziehung miteinander umgehen und wie sie zusammenleben. Dabei beziehen wir uns auf die Forschungsergebnisse von John Gottman, der die sieben Geheimnisse glücklicher Langzeitpaare identifiziert hat.

Aller guten Dinge sind 3, um die Chance auf eine Langzeitbeziehung zu erhöhen

Die drei Merkmale einer glücklichen Langzeitbeziehung sind:

  1. tiefe Freundschaft – komme was da wolle. Man kennt sich sehr genau, achtet und respektiert sich gegenseitig. Sich zu respektieren meint, die Hoffnungen und Wünsche des anderen anzuerkennen. Wenn Paare in Freundschaft zusammenleben, wird Zuneigung regelmäßig in kleinen, alltäglichen aber bedeutungsvollen Gesten ausgedrückt.
  2. Vertrauen in zweierlei Hinsicht: vertrauensfähig und gleichzeitig vertrauenswürdig sein. Du schenkst Deinem Partner Vertrauen und auch er kann Dir vertrauen. Dafür, dass er Dir vertraut, solltest Du aktiv etwas tun.
  3. gegenseitige Unterstützung: Ihr könnt Euch aufeinander verlassen und geht “gemeinsam durch dick und dünn”.

Paare in einer Langzeitbeziehung zeigen sich gegenseitig Respekt und wirkliches Interesse aneinander

John M. Gottman, amerikanischer Psychologieprofessor, Paarforscher und Autor des Buches „Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe“, erforschte, wie Menschen, die in einer erfolgreichen Langzeitbeziehung leben, miteinander umgehen. Dazu beobachtete er Paare in seinem sogenannten “Love Lab” (“Ehelabor”) und analysierte deren Verhalten.

Paare bleiben nach seinen Untersuchungen umso länger und harmonischer zusammen, je mehr sie einander

  1. respektieren und
  2. aufeinander neugierig

sind.

Um miteinander glücklich zu sein, müssen die Partner nicht zwangsläufig ihre wichtigsten Probleme lösen. Ganz im Gegenteil: Probleme sind nach Gottman unabwendbarer Bestandteil einer jeden Beziehung.

Wie aber schaffen glückliche Langzeitpaare es, ihre Probleme zu bewältigen? Was genau tun sie, um langjährig gemeinsam glücklich und zufrieden zu bleiben? John Gottman identifizierte im Rahmen seiner Forschung 7 Aspekte, die sogenannten „Geheimnisse einer glücklichen Ehe“.

7 Geheimnisse einer glücklichen Ehe nach John Gottman

1. Die „Partner-Landkarte“ auf den neusten Stand bringen

Sich lieben geht nur, wenn man sich kennt. Das erfordert, die Informationen über den Partner lebenslang zu aktualisieren. Macht Euch permanent mit den aktuellen Bedürfnissen,  Problemen und Ängsten des anderen vertraut. Fragt Euch nach Euren momentanen Träumen, Vorlieben und Abneigungen.

Nicht nur die Geburt eines Kindes sollte Anlass sein, den anderen wieder neu anzuschauen, weil ihn dieses Ereignis verändert hat. Wenn es Deiner Partnerin immer wichtig war, Weihnachten mit der gesamten Familie zu verbringen, ist es in diesem Jahr eventuell nicht so. Oder dass Dein Partner gerne Mohnbrötchen mag, heißt nicht, dass das noch in drei Jahren so sein wird.

2. Zuneigung und Bewunderung füreinander pflegen

Glückliche Paare zeichnen sich dadurch aus, dass sie einander trotz ihrer Ecken und Kanten, trotz ihrer Macken liebenswert finden und sich gegenseitig respektieren. Seinen Partner mehr und mehr kennen zu lernen, ist der Schlüssel zum Lieben. Neue, positive Seiten am Partner zu wertzuschätzen, stärkt die Beziehung.

Anregungen dazu, einander näher kennen zu lernen, bekommst Du wöchentlich über unsere Freitagsfrage

3. Sich einander zuwenden statt voneinander abzuwenden

Wenn Paare ein Buch oder die Zeitung miteinander lesen, hat das etwas Verbindendes. Wichtig für eine glückliche Langzeitbeziehung ist nämlich, bewusst Dinge miteinander statt nebeneinander her zu tun. Richte also täglich in vielen kleinen Momenten die volle Aufmerksamkeit und Dein ehrliches Interesse auf Deinen Partner oder Deine Partnerin und unternehmt vieles miteinander.

Wenn Du eine Frage Deines Partners beantwortest, ohne vom Handy hochzuschauen, oder Deinem Partner gedankenlos mit eigenen Ideen ins Wort fällst, ist das meist nicht böse gemeint und geschieht oft unbewusst, wirkt aber desinteressiert. Sich zu-wenden ist auch körperlich zu erkennen, wenn Du Blickkontakt herstellst. Dadurch passiert es häufiger, dass Du die aktuellen Bedürfnisses Deines Partners erfragst und konzentriert im Blick hast. Das bedeutet Wertschätzung für den anderen. 

Etwas miteinander tun und erleben statt nebeneinander her, kann beispielsweise sein:

  • zusammen kochen
  • gemeinsam Karussell fahren und sich dabei glücklich in die Augen sehen
  • ein Gesellschaftsspiel zusammen spielen, auch mit Freunden
  • für den Urlaub einen Sprachkurs besuchen
  • einander vorlesen oder den aktuellen Lieblingssong vorspielen
  • einen Spaziergang in einer unbekannten Gegend machen
  • mit den Kindern ein Picknick im Wald durchführen
  • zusammen im Internet ein Restaurant für einen Paarabend aussuchen
  • danach fragen, wie der Tag war

4. Sich vom Partner beeinflussen lassen

Paare, die in einer glücklichen Langzeitbeziehung leben, beziehen sich gegenseitig ein, wenn sie Entscheidungen treffen. Die Partner berücksichtigen die Meinung und die Gefühle des anderen. Und zwar gerade auch dann, wenn es um Entscheidungen geht. Sie lassen es zu, von ihrem Partner oder von ihrer Partnerin beeinflusst zu werden, machen Zugeständnisse und vermeiden Machtkämpfe.

Sich von der Partnerin beeinflussen zu lassen, kann bedeuten, ihr neues Lieblingseis zu probieren, eine Wand in der von ihr bevorzugten Farbe zu streichen oder den Urlaub in einer Gegend zu verbringen, die die Partnerin gerne einmal besuchen möchte. 

Und es geht auch darum, eigene Lebenseinstellungen durch die Partnerin überprüfen zu lassen. Interessiert sie sich beispielsweise für das Leben in Mehrgenerationenhäusern, blocke dies nicht gleich ab, sondern lass Dich ein und höre erst einmal zu. Entscheiden, ob dieses neue Thema etwas für Dich ist, kannst Du danach immer noch.

5. Lösbare Probleme lösen

Paare, die in einer glücklichen Langzeitbeziehung leben, reden über Probleme, die lösbar sind. Unlösbare Probleme akzeptieren sie, statt sich ewige Zeiten ergebnislos damit zu beschäftigen.

Und so sieht das aus: Die Partner

  1. beginnen in sanftem Ton
  2. unternehmen bei Schwierigkeiten beispielsweise einlenkende Sätze als Rettungsversuche bzw. nehmen solche an
  3. beruhigen den Partner, sich selbst und einander
  4. gehen Kompromisse ein
  5. tolerieren die Fehler des anderen.

Es erfordert eine klare Struktur, miteinander Probleme lösen zu können – und die Bereitschaft, achtsam aufeinander einzugehen.

6. Unlösbare oder wiederkehrende Probleme überwinden oder vermeiden

Glückliche Langzeitpaare können mit solchen sogenannten Pattsituationen gut umgehen und sie halten sie auf keinen Fall aufrecht. Themen wie ein einseitiger Kinderwunsch, unterschiedliche sexuelle Vorlieben oder andere, die sich um nicht vereinbare Wünsche, Sehnsüchte, Träume oder tiefere Lebensziele ranken, bewältigen glückliche Langzeitpaare mit diesen drei Lösungsstrategien:

  • Unlösbare Streitigkeiten überwinden

Pattsituationen können durch oberflächliche “Kleinigkeiten” entstehen, wie die Technik, Handtücher zusammenzulegen, oder ob Gläser im Geschirrschrank mit der Öffnung nach oben oder unten stehen sollen. Es geht aber auch um Themen bis hin zu unterschiedlichen Vorlieben für Reiseziele oder die Freizeitgestaltung.

Partner in einer glücklichen Langzeitbeziehung überwinden solche Differenzen, indem sie die hinter diesen Streitigkeiten  liegenden Träume der Partnerin oder des Partners erkennen und fördern. Warum? Ursache solcher Träume sind Vorstellungen oder Werte, wie beispielsweise Unabhängigkeit, Ordnung, Abenteuerlust, Familie, Treue etc. oder generelle Aspekte von Selbstverwirklichung. Weil Bedürfnisse stark mit der Identität der Person verbunden sind, werden sie sich nicht oder kaum ändern – sie können nur respektiert werden, um gemeinsam glücklich und zufrieden zu bleiben.

Hinter Pattsituationen in der Haushaltsführung stecken beispielsweise oft unterschiedlich Bedürfnisse wie Ordnung, Sparsamkeit oder Stressvermeidung. Hinter Vorlieben in der Lebensgestaltung verbergen sich Werte wie Sicherheit, Geborgenheit, Kontaktfreude oder Unabhängigkeit.

Für Probleme, die aus  unterschiedlichen Bedürfnissen, Werten oder Vorstellungen entstehen, gibt es keine Lösungen. Die einzige Möglichkeit ist, als Paar über das Thema ins Gespräch zu kommen, ohne sich gegenseitig zu verletzen. Auch Meinungsverschiedenheiten kann man akzeptieren. Mit unterschiedlichen Lebenskonzepten kann man leben, sie dem anderen „auszutreiben“ wird nicht funktionieren.

  • Kompromisse finden

Glückliche Paare definieren in einem Kompromiss ihre Standpunkte so, dass die Träume beider berücksichtigt werden. Beispiel: die große, teure Fernreise wird unternommen, obwohl ein Partner auf Sparsamkeit Wert legt, dann übernachtet das Paar aber statt in einem Luxushotel in einer kleinen, günstigen Unterkunft, in der die Mahlzeiten selbst zubereitet werden. Ein anderes Beispiel: Ein Partner geht in eine andere Stadt, um sich an einem neuen Arbeitsplatz weiterentwickeln zu können, der gemeinsame Umzug dorthin findet aber erst in einem Jahr statt, damit der andere seine Kontakte am jetzigen Wohnort noch weiter pflegen kann.

  • Unlösbare Streitigkeiten vermeiden

Eine glückliche Liebesbeziehung ist eine Verbindung, in der die Partner einander Verständnis und Interesse für ihre Träume entgegenbringen. Sie erkennen gegenseitig ihre Ziele an und unterstützen sich darin, die jeweiligen Träume zu verwirklichen. Für glückliche Paare liegt darin der Sinn ihrer Beziehung. Das heißt nicht, dass sie  selbst von den Träumen des anderen überzeugt sind, geschweige denn alle Träume des Partners oder der Partnerin teilen. Paare in einer glücklichen Langzeitbeziehung akzeptieren, dass es Bereiche des anderen gibt, die nicht verhandelbar sind. Sie respektieren die Träume ihrer Partner.

7. Einen gemeinsamen Sinn schaffen: Das Gefühl haben, ein Paar zu sein

Paare bilden gemeinsamen Sinn, wenn sie in grundlegenden Überzeugungen übereinstimmen. Und es gehört eine eigene Kultur dazu, aus der heraus sich gemeinsame Gewohnheiten und Rituale bilden. So entsteht zwischen ihnen ein Gefühl von „Wir gehören zusammen“. Darin enthalten sind die Träume beider Partner.

Wenn es einen gemeinsamen Sinn gibt, verlieren Paarkonflikte hinter dem großen gemeinsamen Ganzen an Bedeutung. Sie sind nicht mehr so wichtig.

Gottmans “magische 5 Stunden” glücklicher Paare – Beziehungstipps für gemeinsame Gespräche

John Gottman stellte in seinen Workshops mit Paaren fest, dass Partner ihr Zusammenleben nicht grundlegend geändert hatten, wenn sich ihre Beziehung weiter verbessert hatte. Stattdessen wendeten sie in unterschiedlicher Weise Muster oder Rituale an: sie widmeten ihrer Beziehung ca. fünf zusätzliche Stunden Zeit in der Woche für folgende Dinge:

  • Morgendliche Verabschiedung
    Sich bei der Verabschiedung in den Arbeitstag kurz über je ein Vorhaben des Tages austauschen
  • Abendgespräch
    Am Ende jedes Arbeitstages 20 Minuten Zeit für ein gemeinsames entspanntes Gespräch nehmen. Wichtig ist, dass es dabei gelingt, dem anderen besser zuhören zu können.
  • Bewunderung und Anerkennung
    Sich jeden Tag etwas sagen, was man am anderen ehrlich bewundert oder anerkennt
  • Abendliche Zuneigung
    Vor dem Schlafengehen eine Geste zeigen, die Zuneigung gegenüber dem Partner ausdrückt: einen Kuss, eine Umarmung, ein Halten. Dabei alle kleinen Missstimmungen zwischeneinender loslassen.
  • Wöchentliche Verabredung
    Sich einmal in der Woche für zwei Stunden verabreden, um die Verbundenheit miteinander zu erleben und dabei in entspannter Art und Weise die „Partner-Landkarten“ aktualisieren:

    • einander Fragen stellen oder Fragen gemeinsam klären
    • einen Konflikt oder ein Problem bearbeiten
    • ein gemeinsames Thema zu diskutieren. 

Unsere Beziehungstipps für eine glückliche Langzeitbeziehung zum Ausprobieren und Weiterdenken

Fangt in dieser Woche ganz klein an: Welche der Rituale aus den “magischen fünf Stunden” glücklicher Paare führt Ihr in Eurer Partnerschaft nicht durch? Greift ein Ritual heraus und führt es eine Woche lang durch.

Tauscht Euch am Ende der Woche aus:

  • Welchen Unterschied macht dieses Ritual in unserer Beziehung?
  • Was daran macht mich glücklich? Was macht dich glücklich?

Hast Du Interesse an weiteren Informationen zum Thema Langzeitbeziehung? Hier findest Du mehr:

John Gottman: Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe*

 

Gottman 7 Geheimnisse Langzeitbeziehung glücklich

Seid gut zu Euch!

Herzliche Grüße

Unterschrift Maren

Maren Sörensen von Raumfüreuch - Paartherapie Online

Maren Sörensen
Diplom-Pädagogin und Systemische Therapeutin (SG). Ist in der Nähe von Flensburg verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne und zwei Enkelkinder.

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