Eine glückliche Ehe hat genau drei Voraussetzungen. Prüfe, ob Deine Partnerschaft diese Kriterien erfüllt. Du lernst außerdem über unsere Fragen einen Leitfaden kennen, der Dich mit Deinem Partner oder Deiner Partnerin über Eure Beziehung auf hilfreiche Weise ins Gespräch bringt: Ihr werdet klarer in dem, was Ihr wollt und was für Euch in der Liebe wichtig ist. Wir wünschen Dir und Euch viel Freude dabei!

Die 3 Voraussetzungen für eine glückliche Ehe

1. Prüft Eure Erwartungen – zunächst jeder für sich!

Was Du von einer Beziehung erwartest, bestimmt, womit Du Deine Partnerschaft und den anderen vergleichst. Je höher Deine Erwartungen an die Liebe sind, desto schwerer ist es, Deine Partnerschaft als erfüllend anzusehen. Für eine glückliche Ehe ist es wichtig, Dir über folgendes bewusst zu sein: Es wird Dir nicht gelingen, Deinen Partner ändern  zu können – jedenfalls nicht direkt und nur weil Du es so gerne möchtest.

Bei den Erwartungen an eine glückliche Ehe kommt es auf das richtige Maß an. Zu hohe Erwartungen messen Deine Beziehung an einem Ideal: Harmonie, lebenslanges Begehren und permanent gute Gefühle. Das ist nicht realistisch und macht Dich unzufrieden.

Gelegentlicher Ärger, Missverständnisse und Belastungen gehören zu jeder Partnerschaft. Und Krisen vereinzelt auch.

Wenn Du zu viel von der Liebe erwartest, enttäuschst Du Dich selbst

Erwartest Du zu viel von Deinem Partner, dann vergleichst Du ihn mit einem Ideal. Davor wird der andere ständig durchfallen. Klar, dass Du dann genervt bist. So kannst Du nur enttäuscht werden. Nicht wegen Deiner Partnerin, sondern wegen Deiner zu hohen Erwartungen an die Liebe und eine glückliche Ehe. Und zwar weil Du zu Deinen Ungunsten bewertest und interpretierst.

Du hast es selbst in der Hand, wie Du Deine Partnerschaft bewertest. Und womit Du sie vergleichst. Für eine glückliche Ehe ist ein Vergleich mit dem Anfang Eures Zusammenseins weder fair noch realistisch. Achte auf das, was jetzt erfüllend ist. Und das wird etwas anderes sein als zu Beginn Eurer Beziehung. Auf Deine Bewertung kannst Du aktiv Einfluss nehmen. Für die Liebe kannst Du selbst etwas tun! – Du kannst Deine Beziehung verbessern, auch ohne dass Dein Partner oder Deine Partnerin mitarbeitet. Zumindest innerhalb eines gewissen Rahmens. Werde dir klar, was Du brauchst und prüfe Deine Vorstellungen über eine glückliche Ehe.

In seinem Buch “Liebe”* formuliert Wilhelm Schmid es so:

Je nach Deutung erscheint die Liebe als angenehmes Gefühl oder bittere Enttäuschung, als nüchternes Kalkül oder verrückte Leidenschaft.

Investiere in Eure Zukunft! Nicht nur zu hohe Vorstellungen sind ungünstig. Zu niedrige Erwartungen opfern viele der Möglichkeiten, die in der Liebe liegen. Schafft zusammen eine Vision. Je größer Du denkst, desto mehr wird möglich sein. Setzt Euch gemeinsame Ziele als Paar und plant schöne Erlebnisse, die beiden gefallen.


So kommt Ihr über das Thema Erwartungen an eine glückliche Ehe ins Gespräch

Frage Dich erstmal selbst:

  • Ist das, was ich mir unter einer Beziehung vorstelle, angemessen?
  • Sind meine Erwartungen an den anderen, so wie er eben ist, realistisch?
  • Passend meine Erwartungen an eine glückliche Ehe zu meiner Situation?
  • Haben wir als Paar die passenden Möglichkeiten, meinen Erwartungen zu entsprechen?

Lade Deine Partnerin oder Deinen Partner ein, sich auch selbst diese Fragen zu beantworten. Und erzählt Euch gegenseitig von Euren Vorstellungen und Wünschen.

Und bedenke, dass Deine Partnerin bzw. Dein Partner möglicherweise andere Vorstellungen, Erwartungen und Wünsche an eine glückliche Beziehung als Du hat. Fragt Euch, wie Ihr damit angemessen umgehen könnt:

  • Was kannst und willst du erfüllen? Wie sieht es bei mir aus?
  • Wo sind deine Grenzen? Wo sind meine?
  • In welchen Bereichen passen unsere Erwartungen zusammen?
  • Was passt nicht? Wie wollen wir damit umgehen?

2. Gleicht Nähe und Distanz aus

Nähe: In der Liebe geht es immer um Zugehörigkeit

Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist tief in uns verwurzelt. Es kommt aus einer Zeit, als unsere Vorfahren in Höhlen lebten und sich vor Säbelzahntigern und anderen Gefahren schützen mussten. Wer nicht dazu gehörte, war dem Tod ausgeliefert. Aus diesem Erbe heraus sehnst Du Dich nach Nähe, die Dir Geborgenheit bietet. Es ist ein wunderbares Gefühl, nicht allein zu sein. Wenn wir geliebt werden, fühlen wir uns “gemeint”, nicht austauschbar: Ich bin “die Eine” oder “der Eine”.  Bei Bei Zärtlichkeiten werden übrigens Bindungshormone ausgeschüttet, die genau dieses Empfinden unterstützen.

Distanz ermöglicht es, in der Beziehung man selbst zu sein und zu bleiben

Nur mit Distanz kommt wieder Neues in die Beziehung. Ohne Abgrenzung geht ein Partner im anderen auf und verliert sich. Eigene Bedürfnisse gibt es dann nicht mehr. Erst die Abgrenzung macht einen Partner  als ein Gegenüber attraktiv: Er hat Dir etwas Neues zu sagen und regt Dich durch andere Ideen an. Dadurch kann Distanz in der Partnerschaft Dich und Eure Beziehung bereichern und eine glückliche Ehe möglich machen.

Die passende Dosis zwischen Nähe und Distanz – für eine glückliche Ehe

Nähe ohne Distanz geht nicht. Das Eine ist ohne das Andere nicht möglich. Aus dem Kontrast heraus entsteht die Dynamik. Zu viel Nähe erdrückt, zu viel Distanz macht Angst vor dem Verlust des Partners.

Dass beide Seiten ausgewogen sind, kannst Du nicht ausschließlich an räumlicher oder zeitlicher Nähe festmachen. Es geht nicht um Quantität, sondern um Qualität. Intensität wird möglich, wenn Ihr achtsam miteinander umgeht. Füreinander da sein und füreinander einstehen. Das wird in kleinen Momenten der Achtsamkeit und der Aufmerksamkeit deutlich, zum Beispiel durch einen liebevollen Kuss zwischendurch oder die Frage „Na, wie geht es Dir?“ oder wenn Du Deine Partnerin jemand Fremdem vorstellst als „Das ist meine liebe Frau“. (Natürlich nur, wenn dieser Satz zu Dir passt – sonst mach etwas anderes, das deutlich macht, dass Du Dich zu ihr liebevoll bekennst.)

Unsere Tipps für Fernbeziehung und Wochenendehe:

Ihr empfindet wahrscheinlich zu viel Distanz. Gestaltet die gemeinsame Zeit daher bewusst und genießt sie. Seid füreinander präsent und verliert gleichzeitig nicht die Anbindung an das Eigene. Viele Paare erleben es als angenehm, dann keine Arbeit mit in das Wochenende zu nehmen. Das bedeutet, sich ganz auf die Zweisamkeit zu konzentrieren. Aber: Trotzdem gemeinsame Freundschaften zu pflegen, unterbricht die intensive Nähe ebenso wie WhatsApp-Nachrichten, Telefonate, Skypecalls oder FaceTime den Abstand verringern, wenn Ihr getrennt seid.

Nähe und Distanz in unterschiedlichen Bereichen leben

Wenn Du oder Deine Partnerin Nähe und Distanz in nur wenigen Bereichen einseitig auslebt oder einer deutlich mehr Distanz lebt als der andere, kann das für Euch beide unbefriedigend oder belastend sein. Beispiel: Ihr macht alles gemeinsam, habt keine eigenen Freunde oder ein Partner oder ein Partner ist unternehmungslustig und ständig auf Achse, während der andere gerne das Zuhause gemütlich macht. Einer erlebt es als einengend – oder andersherum als beängstigend. Es sei denn, es ist von Euch beiden gewollt und akzeptiert, dass es diese getrennten Bereich gibt und Ihr seht es als Bereicherung an. Sonst entsteht ein Extrem, das den Bedürfnissen beider Partner in die eine oder andere Richtung nicht gerecht wird.

Die Bedeutung von Nähe und Distanz in der Sexualität:

Unterschiede von Nähe und Distanz können auch besonders in der Sexualität erlebt werden. Und zwar durch Sexualität als solche, durch die Häufigkeit und die Dauer, als auch, wie die Sexualität ausgelebt wird: durch die damit verbundenen Berührungen, die Worte, die Handlungen und die Vorstellungen.

Die Protagonisten des Roman Schmerz von Zeruya Shalev* (Kap.12) drücken das so aus:

Und sie sagt: “Es gibt alle möglichen Sorten von Nähe. Schade, dass du nur eine kennst.” Er stößt einen Seufzer aus. “Es gibt alle möglichen Arten von Distanz”, sagt er. “Schade, dass du nur eine kennst.”

Große Unterschiede im Bedürfnis nach Nähe und Distanz werden in der Sexualität von beiden Partnern als sehr leidvoll erlebt und erfordern meist Hilfe von außen.

So kommt Ihr über das Thema Nähe und Distanz ins Gespräch

Das Bedürfnis nach Nähe oder Distanz kann bei beiden Partnern unterschiedlich sein. Der Wunsch einiger Partner nach einem eigenen Freundeskreis, eigenen Hobbys, Freizeitaktivitäten und Reisen macht das deutlich. Bis hin zu getrennten Wohnungen.

Tauscht Euch über Nähe und Distanz aus, um Klarheit zu gewinnen, was Euch daran für eine glückliche Ehe wichtig ist:

  • In welchen Bereichen ist unser Bedürfnis nach Nähe und Distanz gleich?
  • Wo unterscheidet es sich?
  • Wie können wir dieser Unterschiedlichkeit Raum geben und unsere Interessen und Sichtweisen gelten lassen?
  • Wo liegt unsere jeweilige Grenze, dem anderen Distanz zu ermöglichen? Zum Beispiel in Form von Abgrenzung, Eigenleben und Freiheiten.
  • Welche Grenzen haben wir, bezogen auf Nähe?
    • Was ist dir und was mir zu nah, zu eng, zu viel?
    • In welchen Bereichen fühlst du und fühle ich zu viel Nähe? Bei Romantik, Zärtlichkeit, gemeinsam verbrachter Zeit, Räumlichkeiten, Gesprächsthemen … ?

3. Schafft schöne gemeinsame Erlebnisse

Schöne Erlebnisse verbinden. Und es gibt viele Anlässe für gemeinsame Erlebnisse und viele Möglichkeiten, diese auch zu gestalten.

3 Bereiche sind:

  1. Rituale
  2. Erlebnisse des Alltags und
  3. etwas ganz Neues, Besonderes

Für eine glückliche Ehe ist es wichtig, Beständigkeit und Abwechslung zu balancieren

Gemeinsame Rituale

Rituale sind wiederkehrende schöne Erlebnisse, die immer nach demselben Muster durchgeführt werden. Sie stabilisieren eine Beziehung, sie geben ein Gefühl von Beständigkeit. Du kannst Dich darauf schon lange vorher freuen und weißt, dass etwas in Deiner Beziehung Bestand hat. Das gibt Zuversicht.

Zu solchen Ritualen gehört, wie Feiertage, Geburtstage und Hochzeitstage zelebriert werden: mit immer wiederkehrenden Komponenten. Das können Gerichte sein, die gekocht werden, Blumen, Orte die aufgesucht werden. Auch Urlaube können ritualisiert werden. Einige Paare reisen regelmäßig an denselben Ort. Schöne gemeinsame Erlebnisse in Form eines Rituals können aber auch der regelmäßige Kinobesuch sein, das Treffen mit Freunden oder Verwandten oder das sonntägliche Lesen im Bett, vor dem Aufstehen.

Schöne Erlebnisse im Alltag

Deinen Alltag als Paar kannst Du und könnt Ihr schön gestalten, wenn Ihr mehr von dem tut, was Euch glücklich macht. Ganz einfach. Kino, Karten spielen oder Kamin anmachen. Sauna, sonnen oder schwimmen gehen.

Und noch? Auf die kleinen Dinge am Rande achten. Aufmerksamkeit in Form zärtlicher Gesten, Berührungen, Umarmungen oder eines Kusses, gelegentlich ein kleines Kompliment wirken sich ebenso Glück bringend auf die Liebe aus wie ein schön gedeckter Tisch, ein abendliches Gespräch. Erzählt Euch das, was am Tag schön für Euch war oder macht einander auf den allerersten Krokus oder die allererste Kastanie aufmerksam.

Den Alltag unterbrechen und ein schönes Erlebnis gestalten kann auch bedeuten, das nicht Naheliegende zu tun: einen Spaziergang zur Eisdiele machen, obwohl die Tiefkühltruhe von Vanille über Erdbeer bis Schoko so ziemlich jede Eissorte hergeben würde. Probiert eine Eissorte aus, die Ihr noch nie zuvor gewählt habt und genießt gemeinsam oder lacht über die Fehlentscheidung. Humor kann ein schönes gemeinsames Alltagserlebnis sein. Zusammen lachen über ein Missgeschick, den Montag zum siebtliebsten Wochentag küren oder sich über ein lustiges Ereignis aus der Vergangenheit amüsieren: Worüber lacht Ihr gerne gemeinsam?

Außergewöhnliche oder besondere Erlebnisse

In diese Kategorie gehört alles, was Du in der Partnerschaft noch nie oder schon lange nicht mehr gemacht hast. Das kann sein,

  • etwas ganz Verrücktes zu tun
  • sich einen besonderen Luxus zu gönnen
  • ein Abenteuer gemeinsam zu durchstehen

Ob Ihr ein Picknick unter dem Brandenburger Tor macht, sündhaft teures Trüffelöl aus Verona mitbringt, mit dem Jeep durch Afrika fahrt oder eine Nacht auf dem Balkon schlaft und die Sterne zählt – was ist für Euch alles, außer gewöhnlich?

Über ein besonderes Erlebnis eines besonderen Paares liest Du in diesem Artikel von Sinncoach – Dr. Radomsky Coaching und Training: Der Mann, der mit den Augen seiner Frau sieht. Dr. Christine Radomsky macht darin die Bedeutung von Achtsamkeit in einer Beziehung wunderbar deutlich.

Auch unterschiedliche Vorlieben können eine glückliche Ehe ausmachen

Wichtig ist nicht, dass Du und er oder sie immer auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Das gelingt sowieso nicht. Wenn Du zu etwas wenig oder keine Lust hast, das Deinem Partner dagegen besonders gefällt, dann kannst Du Dich an seiner Begeisterung freuen.

In Deiner Beziehung kannst Du Dich bewusst entscheiden, etwa aus Liebe für den anderen zu tun, oder es in Form von Selbstfürsorge nicht zu wollen. Und dann stattdessen mit ihr oder ihm etwas anderes zu tun. Lustlosigkeit hilft keinem von Euch weiter – aber klare Entscheidungen für das Eine oder für das Andere.


So kommt Ihr über das Thema gemeinsame Erlebnisse ins Gespräch

Gemeinsam aktiv zu sein ist eine der besten Möglichkeiten, um eine Beziehung lebendig zu halten und auch um tiefe Momente der Zugehörigkeit zu erleben.

Schaut einmal, welche Unternehmung für Euch beide schön ist. In der Natur sein, ein gemeinsames Abenteuer zu durchstehen, zusammen ein Buch lesen oder einen Film anschauen – es gibt viele schöne Bereiche für eine glückliche Ehe. Macht mehr von dem, was Euch Spaß macht.

Und, auch hier geht es wieder um eine Balance: Was könnt Ihr unternehmen, das ganz anders ist als das, was Euch sonst so viel Freude macht?

Hast Du Interesse an weiteren Informationen zu den Themen glückliche Ehe und Liebe? Hier findest Du mehr Anregungen:

Ein Sachbuch

Wilhelm Schmid: Liebe. Warum sie so schwierig ist und wie sie dennoch gelingt.*

Der philosophische Publizist Wilhelm Schmid schreibt hier in Kurzform über seine Erkenntnisse.

Wilhelm Schmid Liebe Glückliche Partnerschaft

Ein Tablebook im Miniformat mit Ideen für schöne Erlebnisse

Rosalie Tavernier: Einmal im Leben sollte jeder eine Dummheit aus Liebe begehen* 

Von Um-die-Wette-schaukeln bis Cabrio fahren hat Rosalie Tavernier viele kleine bis große außergewöhnliche Erlebnisse gesammelt, die sich auch für Paare und eine glückliche Partnerschaft eignen.

Rosalie Tavernier Einmal im Leben Glückliche Partnerschaft

Ein Roman

Zeruya Shalev: Schmerz*

Aus diesem Roman haben wir im Abschnitt “Unterschiedliche Bereiche von Nähe und Distanz” zitiert.

Die israelische Autorin Zeruya Shalev erzählt die psychologisch fundierte Geschichte einer Ehe. Die Protagonistin findet ihre Jugendliebe wieder und begibt sich in eine Affäre. Das stürzt sie in eine tiefe Krise. Shalev schreibt über Zerrissenheit und die Frage, ob sich ein verpasstes Leben nachholen lässt.

Zeruya Shalev Schmerz Glückliche Partnerschaft Liebe

 

Seid gut zu Euch!

Herzliche Grüße

Unterschrift Maren

Maren Sörensen von Raumfüreuch - Paartherapie Online

Maren Sörensen
Diplom-Pädagogin und Systemische Therapeutin (SG). Ist in der Nähe von Flensburg verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne und zwei Enkelkinder.

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