Das Empfinden in einer Partnerschaft ist manchmal von Tag zu Tag anders: mal fühlt es sich gut an, dann wieder nicht. Das kann ganz schön verunsichern. Diese 3 Merkmale machen deutlich, was eine gute Beziehung ausmacht – und ob Deine Beziehung als gut bezeichnet werden kann oder nicht.

1. Einander respektieren – die Grundlage dessen, was eine gute Beziehung ausmacht

Sich zu respektieren, unterscheidet sich von Wertschätzung. Es geht weniger darum, den anderen zu sehen und anzuerkennen, sondern darum, ihn so annehmen zu können, wie er ist – ohne den Partner ändern zu wollen. Dazu gehört mehr, als wir auf den ersten Blick denken:

  • auf Gleichmacherei zu  verzichten
  • seine eigene Meinung mitzuteilen, ohne den anderen belehren oder überzeugen zu wollen
  • den anderen ernst zu nehmen, ohne ihn oder sie auf etwas festzulegen
  • einladend zu sein, ohne sich aufzudrängen
  • den anderen zu ermutigen, ohne ihn zu bedrängen
  • dem Partner/ der Partnerin etwas zu geben, ohne Erwartungen daran zu knüpfen
  • sich dem anderen nähern, ohne aufdringlich zu sein
  • seine Gefühle zu äußern, ohne man den anderen dafür verantwortlich macht
  • dem anderen Raum für Eigenes zu lassen, und trotzdem Zeit miteinander zu verbringen

Wenn es gelingt, einander zu respektieren, kann in einer Partnerschaft fast nichts mehr schiefgehen

Respekt bildet die Grundlage jeder Beziehung:

  1. Wer sich als Partner respektiert, geliebt und verstanden fühlt – und zwar unabhängig davon, ob der andere die Sichtweise oder das aktuelle Handeln teilt, kann sich öffnen und sich somit anvertrauen
  2. wer sich öffnen kann, kann authentisch sein, muss sich nicht verstellen, nichts vorspielen, was er oder sie nicht ist und
  3. wenn wir wir selbst sein dürfen, fühlen wir uns in der Beziehung um unserer selbst willen geliebt. Das erfüllt in uns die tiefe Sehnsucht nach bedingungsloser Liebe, die wir bereits als Kind hatten – und wir sind sprichwörtlich im 7. Himmel (in der Zeit der Verliebtheit hat nämlich genau das uns so glücklich gemacht).

Gut – bedingungslose Liebe ist es nicht, was eine gute Beziehung ausmacht, denn die gibt es (zumindest unter Erwachsenen) nicht ohne Einschränkungen und auch nicht auf Dauer. Irgendwo sind wir alle uns unserer eigenen Bedürfnisse bewusst und möchten sie möglichst gut erfüllt haben. Das ist auch gut so. Wenn eigene Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen in der Liebe mit dem Wesen, den Wünschen, Vorstellungen und Bedürfnissen des Partners/ der Partnerin kollidieren, ist Liebe eben nicht mehr bedingungslos.

Respekt lässt uns echt sein

Wir “bekommen” uns in einer Beziehung nur  das Gesamtpaket. Schließlich wollt Ihr beide einen authentischen, ehrlichen Partner an Eurer Seite und auch selbst echt sein können – ohne ständig daran denken zu müssen, wie Ihr die Beziehung verbessern könnt. Sonst könnt Ihr Euch nicht (ver)trauen. Einander zu respektieren bedeutet allerdings nicht, dass Ihr aneinander ALLES LIEBT. Es meint, ihn oder sie einfach nur sein zu lassen. Fertig! Das Gute daran ist, dass wir uns dann nicht mehr am Partner abarbeiten müssen, wie in der Geschichte von Sisyphos, der in unendlicher Mühe Steine einen Berg hoch rollt, die dann doch wieder ins Tal kullern. Wie anstrengend – für nichts!

Das bedeutet dann, andersherum, zur Frage, was eine gute Beziehung ausmacht: Sich vom anderen nicht aufgrund seines Wesens und Handelns in seiner eigenen Lebensfreude beeinträchtigen zu lassen.

Gelingt das in Deiner Partnerschaft? Dann wirst Du und werdet Ihr es vermutlich schaffen, Euch an der Freude, der Energie, der Begeisterung, den Lebensvorstellungen, den Wünschen des anderen zu erfreuen oder sie einfach sein zu lassen, was sie sind: Themen des anderen, ohne dass Du sie beurteilst (geschweige denn sie VERurteilst).

2. Sich gegenseitig vertrauen

Einander zu vertrauen ist die zweite wichtige Komponente dessen, was eine gute Beziehung ausmacht. Vertrauen erfordert Zuversicht und Mut, denn wer dem anderen traut, gibt ihm immer einen gewissen Kredit. Vertrauen ist ein Geschenk, es wird freiwillig erbracht, erstmal ohne zu wissen, ob der andere es (dauerhaft) schafft, mit dem Geschenk so umzugehen, wie wir es uns wünschen.

Vertrauen hat eine Voraussetzung: es muss wachsen und kann nicht, wie über einen Lichtschalter, einfach angeknipst werden. Das liegt daran, dass geschenktes Vertrauen in Beziehungen – oft auch absichtslos – immer wieder einmal gebrochen wird. Hat die S-Bahn Verspätung oder Du stehst im Stau, kannst Du Dein Versprechen, pünktlich zu sein, nicht einhalten.

Wünsche und Bedürfnisse, die der andere nicht teilt, und die daher für einen von beiden nicht erfüllt werden, führen dazu, dass einer in der Beziehung hungrig oder durstig bleibt. Das kann zu Vertrauensbrüchen führen. Verlockungen von außen geben wir Menschen manchmal nach, obwohl wir uns als Partner in einer festen Beziehung gemeinsam darauf geeinigt haben, dies nicht zu tun. Fremdgegangen wird beispielsweise immer wieder, trotz vieler Vorsätze und Versprechungen – das sagt allein schon die Statistik. Es geht in Beziehungen daher immer wieder darum, den anderen zu halten, ohne ihn festzuhalten.

Vertrauen verlangt uns also eine ganze Menge ab – von beiden Seiten: beim Einhalten und beim Trauen. Wenn Ihr es schafft, einander – immer wieder neu – zu vertrauen, dann verlasst Ihr Euch aufeinander, weil Ihr Euch relativ sicher miteinander und beieinander fühlt. Das sind alles Merkmale für eine glückliche Partnerschaft  – es sei denn, einer von Euch ist eifersüchtig. Aber das wären dann Ängste, die zwar das Vertrauen in Teilen beeinträchtigen (misstrauisch machen), aber es nicht komplett nehmen.

Vertrauen, und damit einen großen Teil dessen, was eine gute Beziehung ausmacht, erkennst Du deshalb auch daran, ob Ihr beide einander verzeihen könnt.

3. Gemeinsame Visionen haben

Verliebte sehen sich an, Liebende blicken in die gleiche Richtung.

Antoine de Saint-Exupéry

Wenn Lebenspartner gemeinsame Ziele nicht nur für die nahe, sondern auch für die weitere Zukunft haben, sprechen wir von Visionen. Eine Vision in der Partnerschaft deutet meist auf gemeinsame Werte hin: auf etwas, das für Euch beide ein WERT-volles Ergebnis darstellt. Ihr habt dann ein gemeinsames Warum. Und eine Vision, die eine gute Beziehung ausmacht, ist es auch, wenn Ihr Euch vorstellen könnt, gemeinsam alt zu werden.

Eine Vision ist, im Vergleich zu einem Ziel, immer deutlich größer und offener, weniger real als ein Ziel. Wie Ihr zusammen alt werden wollt, ist beispielsweise nicht zwingend schon näher bestimmt.

Was eine gute Beziehung ausmacht, bezogen auf eine gemeinsame Vision:

  • sich gegenseitig zu helfen, einander den Rücken freizuhalten für das, was Ihr für Eure Beziehung und  im Leben gemeinsam für richtig und wichtig haltet
  • Aufgaben so zu teilen, dass Ihr Euch einander verantwortlich fühlt und die gemeinsame Vision miteinander erreicht.

Fazit: Was eine gute Beziehung ausmacht

Eine gute Beziehung benötigt Respekt für den Partner, ohne ihn oder verändern zu wollen. Wenn Ihr diesen Respekt füreinander aufbringen könnt, dann wächst Euer gegenseitiges Vertrauen und Ihr habt Freude daran, gemeinsam Ideen für die Zukunft zu entwickeln.

Was wir hier als aufeinander aufbauend beschrieben haben, funktioniert auch andersherum: Entwickelt gemeinsam ein neues Ziel oder eine etwas abstraktere Vision und Ihr gewinnt wieder mehr Mut, einander zu vertrauen. Das fördert den Respekt füreinander. Fangt einfach an, gemeinsam aktiv zu werden!

Hast Du Dich und Deine Partnerschaft in all den Dingen wiedererkannt? Wahrscheinlich nicht komplett, oder? Eine Partnerschaft ist immer ein Prozess, der mit Abstrichen verbunden ist. Wir zeigen Dir, wie Du Deine Beziehung auffrischen kannst.

Hast Du Interesse an weiteren Informationen? Hier findest Du mehr zum Thema, was eine gute Beziehung ausmacht:

Wie Du gegebenenfalls Deine – das ist die Voraussetzung – gute und intakte Beziehung wieder etwas mehr wertschätzen kannst, zeigt Dir Tim Schlenzig von myMONK über eine kleine Übung in seinem Podcast-Beitrag (Folge 18: 5 Dinge übers Loslassen und Akzeptieren) dankbarer macht für das, was ist, und am scheinbar Selbstverständlichen rüttelt: Gute Beziehungen sind nicht selbstverständlich, sie brauchen Beziehungspflege. Hör doch mal rein!

Wenn es ganz anders sein sollte und Du festgestellt hast oder Dich bestätigt siehst, dass Ihr gemeinsam keine gute Beziehung führt, dann kann Dir folgendes Buch weiterhelfen:

Mira Kirshenbaum: Ich will bleiben. Aber wie? Neuanfang für Paare*

Was eine gute Beziehung ausmacht - Ich will bleiben

Seid gut zu Euch!

Herzliche Grüße

Unterschrift Maren

Maren Sörensen von Raumfüreuch - Paartherapie Online

Maren Sörensen
Diplom-Pädagogin und Systemische Therapeutin (SG). Ist in der Nähe von Flensburg verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne und zwei Enkelkinder.

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