Hast Du schon einmal zu hören bekommen “Du denkst nur an dich!”? Nein, Selbstfürsorge in der Beziehung ist nicht egoistisch. Das Gegenteil ist der Fall. Selbstfürsorge in der Beziehung bildet sogar die Grundlage dafür, glücklich zu sein und einen Partner so selbstlos wie möglich lieben zu können – weil Du Dich nicht von der Zuwendung Deines Partners abhängig machst. Und das kommt sogar Deinem Partner zugute, denn wenn Du gut zu Dir selbst bist, kannst Du ihn als den Menschen lieben, der er ist.

Selbstfürsorge macht glücklich

Von einem uns unbekannten Verfasser stammt diese kleine Weisheit:

Über das Glück…

Ein Mann kam zum Meister und wollte von ihm wissen, was das Geheimnis eines erfolgreichen Lebens sei. Der Meister sagte: „Mach jeden Tag einen Menschen glücklich!“ Und er fügte nach einer Weile hinzu: „… selbst wenn dieser Mensch du selbst bist.“ Und noch ein wenig später sagte er: „Vor allem, wenn dieser Mensch du selbst bist.“

Gut, glücklich sein macht also ein erfolgreiches Leben aus. Aber: erfolgreich – bezogen auf was? Unsere Antwort wäre “Gesundheit und Lebensfreude”.

Selbstfürsorge ist der Schlüssel zu Gesundheit und Lebensfreude

Es gibt eine Treue, die man allein sich selbst hält.

Jean Anouilh

Lebenszufriedenheit und Liebesglück hängen von unserer Fähigkeit ab, für uns selbst zu sorgen und gut zu uns zu sein, uns selbst und unseren inneren Bedürfnissen Aufmerksamkeit zu schenken. Manchmal erfordert das zunächst sogar, unsere Bedürfnisse überhaupt erst einmal zu kennen – und zu wissen, wer wir sind:

Ich werde tun, was ich will. Ich werde ich selbst sein. Und ich werde herausfinden, wer das ist.

Emma Watson

Selbstfürsorge schafft Wohlbefinden und macht es erst möglich, die eigenen Fähigkeiten und Potenziale kennen zu lernen und zu verwirklichen. Zu diesen Potenzialen gehört auch, andere Menschen lieben zu können. Das ist einer der Gründe, warum Selbstfürsorge nicht egoistisch sein kann. Im Gegenteil: Lebensfreude zu zweit ist ohne Selbstfürsorge undenkbar.

Selbstfürsorge in der Beziehung bildet die Grundlage für Liebesfähigkeit

Unbewusst und intuitiv weißt Du vermutlich, dass genau das wichtig ist für Deine Beziehung und für die Liebe: gut zu sich selbst zu sein. Denn Liebe funktioniert nicht ohne Selbstfürsorge und ohne Mitgefühl – und zwar auch Mitgefühl für Dich selbst! Die Folge daraus ist: Indem Du Verantwortung für Dich selbst übernimmst, kannst Du auch Verantwortung für Deine Beziehung übernehmen.

Deinem Selbst sei treu, und es folgt daraus wie die Nacht dem Tag, dass du keinem Menschen treulos sein kannst. 

William Shakespeare

Nur wenn wir uns selbst verwirklichen können, sind wir in der Lage, auf einen Partner unabhängig zuzugehen und ihn als den Menschen zu lieben, der er ist. Ohne Selbstfürsorge lieben wir, weil wir selbst geliebt werden (wollen). Frei und unabhängig sind wir damit nicht. Der Partner kann nur die Liebe in uns wecken, die wir auch für uns selbst spüren. Erst wenn wir uns selbst lieben können, können wir auch für uns sorgen und gut zu uns sein. Das wiederum erfordert, dass wir Selbstmitgefühl empfinden, also uns selbst genauso wichtig nehmen, wie den Partner.

Wer für sich selbst sorgt, tut auch dem Partner gut

Damit jemand echtes Mitgefühl für andere entwickeln kann, muß man zuerst ein Fundament haben auf dem man Mitgefühl kultivieren kann. Dieses Fundament ist die Fähigkeit sich mit den eigenen Gefühlen zu verbinden und sich um sein eigenes Wohlergehen zu kümmern… Fürsorge für andere bedarf Fürsorge für einen selbst.

S.H., der 14. Dalai Lama

Zu einer guten Partnerschaft gehören mehrere Fähigkeiten, die Selbstfürsorge in der Beziehung erfordern und umgekehrt auch eine gute Beziehung ausmachen:

  • Authentizität: echt sein, sich seiner selbst bewusst sein und keine Rolle zu spielen, seine Gefühle ehrlich zeigen können
    Wenn Du authentisch bist, weiß Dein Partner, woran er mit Dir ist. Das sorgt für Offenheit in der Beziehung.
  • Integrität: die eigenen Ideale, Maßstäbe und Werte auch tatsächlich zu leben und sich entsprechend verhalten
    Wenn Du nicht etwas anderes vorgibst, als Du denkst, sorgt das bei Deinem Gegenüber für ganz viel Klarheit. Dein Partner hat die Chance, Dich darin zu stärken, Deine Vorstellungen zu leben und Deine Grenzen zu achten.
  • Empathie: die Fähigkeit, sich in den anderen hineinzuversetzen
    Nur wenn Du Dich selbst spürst und weißt, was Du magst und was Du willst, kannst Du Dich auch in Deinen Partner hineinversetzen und spüren, was ihm gefällt und was ihm wichtig ist – und ihn letztendlich dabei unterstützen, zu bekommen, war er braucht.
  • Den Partner akzeptieren und als eigenständiges Wesen wahrnehmen
    Wenn Du nicht für Dich sorgst, machst Du den Partner für Dein eigenes Wohlbefinden verantwortlich und kannst ihm nicht vorwurfsfrei begegnen. Du wirst Deinem Partner nur gerecht, wenn Du selbst dafür sorgst, dass Du glücklich bist. “Mach mich glücklich” ist nicht die Aufgabe eines Partners. Er kann und sollte sich nicht Dir zuliebe verbiegen, denn dann wäre er selbst nicht mehr authentisch.
  • Eine echte Partnerin sein: sich dem Partner verbunden fühlen und sich ihm gegenüber loyal verhalten:
    Hinter dem Partner zu stehen, gemeinsame Ziele und Werte zu haben und diese auch nach außen zu vertreten, macht nicht nur die Beziehung stark, sonder stärkt auch den Partner selbst.

Es wird nochmals deutlich: Mit Egoismus hat Selbstfürsorge in der Beziehung nichts gemeinsam. Ganz im Gegenteil: zu geringe Selbstfürsorge führt nicht nur zu Überforderung und Verbitterung bei sich selbst, sondern belastet möglicherweise sogar die Beziehung.

Mögliche negative Folgen mangelnder Selbstfürsorge in der Beziehung für die Partnerschaft

Mangelnde Selbstfürsorge in der Beziehung belastet nicht nur die Partnerschaft, sondern auch den Partner.

Das sind die Gründe, warum zu wenig Selbstfürsorge der Beziehung schadet und letztendlich sogar dem Partner das Leben schwer macht:

  • Abhängigkeit
    Wie oben bereits geschrieben, kann eine zu geringe Selbstfürsorge abhängig machen von der Zuwendung des Partners: Du brauchst ihn, weil (wenigstens) er gut zu Dir ist und Dich liebt. Abhängigkeit kann zu Verlustangst und Eifersucht führen.
  • Das Gefühl, in der Partnerschaft nicht genügend geliebt zu werden, nicht satt zu werden, zu kurz zu kommen
    Dieses Empfinden entsteht aus dem eigenen Mangel heraus und führt nicht selten zu Vorwürfen. Verbunden ist das Gefühl meist auch mit Empfindsamkeit gegenüber Zurückweisung, Kränkbarkeit und übertriebenem Misstrauen, manchmal auch der Neigung zu Streitbarkeit und damit, stark auf seinem “Recht” zu beharren.
  • Vorwürfe gegenüber dem Partner
    Eine weitere Folge des eigenen Mangels: Wir machen den Partner für unsere Unzufriedenheit verantwortlich, weil wir unser Glück von ihm abhängig machen.
  • Neid
    Wer nicht gut für sich sorgt, neidet dem Partner (vermeintliche) Freude. Das äußert sich in Vorwürfen wie “Immer alles nur für dich …”
  • Eifersucht
    Frauen, die nicht gut zu sich selbst sind, machen sich abhängig von der Zuneigung des Partners, was dazu führt, dass sie Verlustangst entwickeln. Die Angst, die Zuwendung des Partners zu verlieren, äußert sich in Form von Eifersucht: “Hauptsache, du hast deinen Spaß …” oder (bissig) “Na, war’s nett mit der Kollegin?”
  • Fehlendes Vertrauen
    Eine direkte Folge der Eifersucht: Sie belastet die Beziehung durch Misstrauen und Kontrollversuche.
  • Sich nicht attraktiv fühlen und damit auch nicht attraktiv sein
    Wenn wir nicht für uns sorgen, strahlen wir aus, dass uns “etwas fehlt”.

Sicherlich sind hier, auch durch die Häufung von Merkmalen, zum Teil starke Auswirkungen mangelnder Selbstfürsorge in der Beziehung genannt. In unseren Paarberatungen erleben wir solche Auswirkungen verstärkt bei Frauen mit einem geringen Selbstwert. Selbstverständlich muss mangelnde Selbstfürsorge nicht die Folge eines geringen Selbstwertes sein.

Das Fatale an einigen Merkmalen, die in Folge mangelnder Selbstfürsorge auftreten, wie Vorwürfe, Neid und Eifersucht: sie können vom Partner fälschlicherweise als Ausdruck von Egoismus interpretiert werden.

Der Unterschied zwischen Egoismus und Selbstliebe (durch die Selbstfürsorge in der Beziehung erst möglich wird)

Wenn wir uns selbst lieben, akzeptieren wir uns mit all unseren Eigenarten – auch den Unzulänglichkeiten und Macken. Unser Selbstwert ist dann auch durch äußere Einflüsse nicht leicht zu erschüttern, weil wir ausgeglichen sind. Und sollte uns etwas aus der Ruhe bringen oder gar erschüttern, können wir mitfühlend mit uns selbst umgehen – eben voller Selbstfürsorge uns wichtig nehmen und uns um uns selbst kümmern. Genauso, wie wir auch auf den Partner verständnisvoll und mitfühlend eingehen können, wenn wir selbst nicht in einem Mangel sind. Und genau das kann ein Mensch, der egoistisch ist, nur schwer: sich in den anderen hineinversetzen, empathisch sein.

Wer sich in der Partnerschaft egoistisch verhält, handelt und reagiert dagegen eher so:

  • sieht sich selbst im Mittelpunkt
  • fordert beim Partner massiv Aufmerksamkeit, Zuwendung und Anerkennung ein
  • sorgt dafür, die eigenen Wünsche und Interessen bedingungslos und auch auf Kosten des Partners zu verwirklichen
  • nutzt den Partner aus, um eigene Vorteile zu erlangen

Selbstfürsorge ist der Widersacher des Egoismus

Selbstfürsorge in der Beziehung ist also nicht egoistisch, sondern egoistisches Verhalten kann ein Ausdruck fehlender Selbstfürsorge sein: eine Art Überlebenstrieb, um nicht zu kurz zu kommen.

Worauf alles hinausläuft: Seid gut zu Euch!

Sollte Dein Partner Dir also Egoismus vorwerfen, dann

  • kann es sein, dass Du nicht gut genug für Dich sorgst
  • leidet er vielleicht genauso unter Deinem Mangel wie Du, weil Du ihm Deinen Mangel anlastest
  • sorgt er eventuell selbst nicht gut genug für sich und wirft Dir daher unbewusst etwas vor, was er selber (zurzeit) nicht lebt oder nicht leben kann: die Sorge um sich

Also mach Dir nicht noch selbst Vorwürfe, denn die können Deine Beziehung  verschlechtern. Du solltest Glaubenssätze loslassen, wie “Ich bin nicht in Ordnung, so, wie ich bin”. Stattdessen: Du kennst unseren Wunsch “Seid gut zu Euch!” Darin steckt “Sei gut zu Dir!” als etwas, was wir sowohl Dir als auch Deinem Partner wünschen. Erst dann könnt Ihr auch gut zueinander sein.

Wenn Du es so siehst: Womit beginnst Du heute, um Dir Gutes zu tun?

Hast Du Interesse an weiteren Informationen? Hier findest Du mehr zum Thema Selbstfürsorge:

Ruth Knaup: Selbstfürsorge: Stärke die Liebe zu dir selbst *

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Horst Conen: Sei gut zu dir, wir brauchen dich: Vom besseren Umgang mit sich selbst *

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Seid gut zu Euch!

Herzliche Grüße

Unterschrift Maren

Maren Sörensen von Raumfüreuch - Paartherapie Online

Maren Sörensen
Diplom-Pädagogin und Systemische Therapeutin (SG). Ist in der Nähe von Flensburg verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne und zwei Enkelkinder.

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