Den Partner akzeptieren wie er ist – das ist der Schlüssel zum Liebesglück. Denn wir fühlen uns in einer Beziehung dann angenommen, wenn der andere sagt “Ich liebe dich so, wie du bist”. Das bedeutet aber, einige Erwartungen und Illusionen abzulegen und den anderen nicht verändern zu wollen. Genau das ist lernbar.

Den Partner akzeptieren wie er ist – was heißt das denn?

Akzeptanz bedeutet anzunehmen, was ist, ja zum Partner* zu sagen, obwohl wir nicht alles an ihm bevorzugen. Sich sagen: Es ist wie es ist! Zulassen statt loslassen. Denn das Loslassen einer Wunschvorstellung ist meist weniger das Problem, als die Tatsache, dass wir an dem festhalten, was wir unbedingt gerne hätten. Ein Ziel könnte daher sein, mehr Gelassenheit an den Tag zu legen und sich dadurch glücklicher zu fühlen.

Verbunden ist die Akzeptanz des Partners damit, seine Eigenart zu realisieren, sie anzunehmen und alle Gefühle zu durchleben, die damit einhergehen: Unzufriedenheit, Ärger, Missmut, Enttäuschung, … Und sich erst danach (das ist wichtig) Gedanken zu machen, wie man im Rahmen der eigenen Möglichkeiten aktiv etwas für seine Zufriedenheit tun kann. Also: blinden Aktionismus vermeiden!

Du erkennst es vielleicht schon: Akzeptanz heißt, Kontrolle (und auch Sicherheit) aufzugeben – in diesem Fall über den Partner. 

Den Partner akzeptieren wie er ist, ist ein Prozess

Das geht nicht über Nacht. Akzeptanz ist eine Haltung, die sich Stück für Stück einstellt, wie ein Geschenk. Das bedeutet, grundsätzlich so zu denken: annehmen zu wollen, was ist. Die Frage, warum dein Partner sich so verhält und zu wissen, wozu er das so macht, ist hilfreich, um ihn zu verstehen. Verständnis ist allerdings keinesfalls Voraussetzung für Akzeptanz. Das Wollen ist die Voraussetzung.

Akzeptanz meint aber nicht, dass wir das, was uns am anderen nicht behagt, gut finden müssen, geschweige denn uns darüber freuen sollten. Es handelt sich um eine zweitbeste Lösung, wenn es keine erstbeste gibt oder eine erstbeste nicht sinnvoll ist. Denn wir wissen ja, dass den Partner ändern nicht die Lösung ist – auf jeden Fall nicht so direkt und unmittelbar wie wir es manchmal gerne hätten. Und wir reden hier nicht über Dinge im Verhalten des anderen, die sich sinnvollerweise doch ändern sollten und bei denen ihr euch einig seid, dass sie veränderungswürdig sind.

Mit Akzeptanz geht es dir selbst besser

Du selbst hast übrigens sogar einen Vorteil, wenn du den Partner akzeptierst wie er ist. Denn wenn du seine Art und sein Verhalten permanent unterdrücken, verhindern oder verändern willst, dann kostet das ganz schön viel Kraft. Das ist, als würdest du einen Ball unter die Wasseroberfläche drücken: anstrengend! Und irgendwann ploppt er doch wieder auf: wenn du nicht so viel Energie hast oder unaufmerksam bist oder dich auf andere Dinge konzentrierst.

Partner mit anderen Augen sehen

Die Kraft geht dorthin, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest

Lass mich dir zunächst etwas über die Prinzipien menschlicher Wahrnehmung erzählen, bevor wir dazu kommen, wie es gelingt, den Partner zu akzeptieren wie er ist. Da gibt es die folgenden Gesetzmäßigkeiten:

  • Auf einen einmal wahrgenommenen “Fehler” des Partners achten wir verstärkt.
  • Dadurch gerät diese Verhaltensweise oder Eigenart des anderen nach und nach immer direkter, immer häufiger und immer stärker in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit.

Hier ein Beispiel:

Der Partner beginnt ein Gesprächsthema, über das ihr bereits hin und wieder gesprochen habt, erneut. Du selbst hast aber nur ein geringeres Interesse daran und willst nicht oder nur ungerne darüber reden, denn für dich ist die Sache ohnehin längst abgeschlossen. Passiert so etwas noch einige Male mehr, dann hast du bald ein Bild von deinem Partner: “Er fängt immer wieder mit demselben Thema an” oder „Er findet kein Ende“.

Nun bist du angepiekt: jedes kleinste Anzeichen dieser Verhaltensweise wird mit einem Adlerblick wahrgenommen. Und sobald der Partner wieder insistiert, steht das Urteil fest: Mein Partner lässt nicht locker, er ist ein Wadenbeißer! Oder, wie man hier im Norden sagt: Er bleibt immer bei! In Zukunft erkennst du dieses Verhaltensmuster nicht nur sofort, wenn es da ist, sondern du erwartest sogar, dass der andere so reagieren wird – bereits bevor er das Verhalten zeigt. Ein festes Bild vom Partner hat sich etabliert.

Das Bild vom Partner verselbständigt sich

Teilweise schaffen Erwartungen Tatsachen. Das nennen wir in der Psychologie “selbsterfüllende Prophezeiung”: irgendwann wird sich der andere so verhalten, weil sein Gegenüber diese Reaktion unbewusst provoziert (und der andere diese “Einladung” annimmt) – in meinem Beispiel könnte das Rückzug sein, der dazu führt, dass der andere schließlich noch mehr auf dem Thema beharrt, das ihm wichtig ist.

Partner aus einer anderen Perspektive betrachten

Den Partner akzeptieren wie er ist, braucht einen Wechsel der Perspektive

Fehlende Wertschätzung in der Partnerschaft verhärtet die Beziehung mehr und mehr. Wenn wir aber die Blickrichtung wechseln, verflüssigt sich das festgelegte Bild vom Partner. Wir können ihn mit mehr Respekt und mehr Zuneigung anschauen. Dadurch verändert sich ebenfalls die Bedeutung, die wir einem Verhalten geben, das uns nicht gefällt. Bis dahin, dass sogar zementierte Erwartungen demontiert werden können.

Die Bedeutung, die wir einem Verhalten beimessen, bestimmt in Folge wiederum auch unsere Reaktion darauf.

2 Vorgehensweisen: So kannst du den Partner akzeptieren wie er ist

1. Den Blickwinkel erweitern: Auf das schauen, was gut ist – neben dem, was dir nicht gefällt

Welche Blickgewohnheit hast du? Auf was ist dein Interesse gerichtet? Fokussierst du eher auf die Stärken oder auf die Schwächen deines Partners? Das hängt selbstverständlich davon ab, wie lange ihr Zwei bereits ein Paar seid. Und auch die Gesamtsituation spielt eine Rolle: Wenn Konflikte da sind, beachten wir eher alles Störende und verlieren dabei das Gute aus dem Blick. Mit Aufmerksamkeit kannst du diese ungünstige Sichtweise ändern und wieder mehr das Gute sehen. Das hilft schon einmal dabei, den Partner annehmen zu können wie er ist. Denn je mehr du das Gute siehst, desto mehr rücken auch die ungeliebten Verhaltensweisen und Eigenschaften des anderen in den Hintergrund. Damit wäre bereits ein erster Schritt in die Richtung getan: den Partner akzeptieren wie er ist.

2. Einen neuen Rahmen setzen: Den Partner mit anderen Augen sehen

Den Partner akzeptieren wie er ist, das gelingt noch einmal besser mit der zweiten Vorgehensweise: dem “Umdeuten”. Der Fachbegriff dafür lautet “Reframing”. Wenn wir etwas umdeuten, dann setzen wir das Bild das wir von etwas haben, im übertragenen Sinne in einen anderen Rahmen (to frame = rahmen). Ein Bild, das neu gerahmt (in einen neuen Kontext gestellt) wird, sieht anders aus. Stell dir mal ganz konkret ein Porträt vor, das in einem goldenen Rahmen steckt – und versehe es dann gedanklich mit einem roten, grünen oder pinken Rahmen. Ein himmelweiter Unterschied, oder?

Wenn du Verhaltensweisen oder Eigenschaften deines Partners umdeutest, dann änderst du deinen Blick auf den anderen. Du siehst deinen Partner quasi mit anderen Augen. Wir können also über unsere Sicht auf die Dinge und über unsere Gedanken unsere Beziehung verbessern (aber auch verschlechtern).

Den Partner akzeptieren wie er ist

Und so geht das: Erkunde die möglicherweise hinter dem Verhalten oder der Eigenschaft des Partners liegenden Gründe für sein Verhalten. Hilfreich dafür ist es zu überlegen, was er davon hat, so zu handeln.

Lass uns für das oben genannte Beispiel einmal Vermutungen anstellen. Sei dir dabei bewusst, dass das alles Hypothesen sind:

Der Partner gibt nicht so schnell auf, er möchte eine Sache klären, beispielsweise um einen Streit endgültig zu bereinigen, weil er gerne Harmonie hat. Er ist sehr engagiert, will den Dingen auf den Grund gehen, weil ihm die Beziehung zu dir wichtig ist. Und er setzt sich ein, weil er es gut meint. Er möchte seine Sache richtig machen und hat schon in jungen Jahren gelernt, dass es sich lohnt, beharrlich zu sein. Damit hat er viel erreicht. Er ist motiviert, weil ihm das in seinem bisherigen Leben viel gebracht hat.

Vielleicht fallen dir sogar noch andere Gründe ein, die erklären könnten, warum er sich so verhält. (Möglicherweise hat er dich damals, als ihr ein Paar wurdet, mit Beharrlichkeit umworben?).

Es gibt also viele gute Gründe für blödes Verhalten. Die Suche nach den „guten Gründen“ meint allerdings nicht, das Verhalten eines Menschen “schönreden” zu wollen oder durch die “rosarote Brille zu gucken”. Es geht darum zu sehen, was das Beobachtete auch noch bedeuten kann – neben dem, was wir bereits sehen und denken (nicht zwingend anstelle dessen). Und das zeichnet dann dich selbst aus: als guter Partner.

Den Partner akzeptieren wie er ist, ermöglicht es dir, seine Fähigkeiten und Interessen zu erkennen – statt (nur) seine Defizite zu sehen. Infolgedessen steigt auch die Toleranz gegenüber dem anderen. Wir erkennen eventuell sogar: Die ungeliebten Eigenschaften des anderen haben auch Vorteile und können uns tatsächlich selbst zugutekommen. Beispiel: Ein akribischer Partner macht die mühsame Steuererklärung besser als einer, der gerne alle Fünfe gerade sein lässt. Wenn er das auch noch gerne macht und man selbst nicht, dann ist das doch wunderbar, oder?

Hier einige weitere Beispiele für umgedeutete Verhaltensweisen und Eigenschaften
  •  Wer faul ist, gönnt sich Ruhe, genießt das Leben, ist unaufgeregt.
  • Ein durchsetzungsstarker Mensch weiß was er will, ist berechenbar, erspart uns Mühe, weil wir uns selbst zurückhalten können.
  • Wer vergesslich ist, setzt Prioritäten, ist nicht nachtragend, lässt anderen Menschen Raum, ihre eigenen Interessen auszuleben.
  • Nörgelndes Verhalten weist auf kritische Punkte hin. Derjenige hat Interesse an Veränderung und Entwicklung und macht deutlich, wie wichtig ihm etwas ist.
  • Wer einen Mann*eine Frau hat, der*die gerne flirtet und auf andere Personen eine große Wirkung ausübt, hat einen attraktiven Partner für sich gewinnen können.

So oder ähnlich lassen sich Eigenarten besser verstehen. Man muss sie deshalb nicht für gut befinden! Aber es entspannt, mit anderen Augen zu sehen und erleichtert es, dass wir den Partner akzeptieren wie er ist.

Partner annehmen wie er ist

Andere Sichtweisen einnehmen zur grundsätzlichen Lebenshaltung machen

Rain is just confetti from the sky.

Wenn du dich darin üben willst, den Partner anzunehmen wie er ist, hilft es, ihn aus der Sicht eines anderen Menschen zu betrachten, der ihn (außer dir selbst) liebt oder schätzt: Sohn/ Tochter, Vater/ Mutter, bester Freund/ beste Freundin, Kollege, Nachbar…

  • Was schätzen diese Personen an deinem Partner?

Den Partner akzeptieren wie er ist – das ist ist nämlich Übungssache. Dinge aus anderen Perspektiven zu sehen, ist eine generelle Haltung, die wir uns zur Lebensaufgabe machen sollten. Täglich neu.

Übung: Den eigenen Partner akzeptieren wie er ist

Diese Fragen kannst du dir für eine Reflexion stellen:

  • In welchen Bereichen ergänzen wir uns? Welchen Gewinn haben wir dadurch für unsere Beziehung?
  • Wozu ist das gut, was mein Partner macht?
  • Was hat er davon, sich so zu verhalten? Was gewinnt er dadurch?
  • Und was könnte er daraus gelernt haben?
  • Was ist das Gute am “Schlechten” – was habe ich davon, dass mein Partner so ist wie er ist?
    Denn Dinge sind nicht ausschließlich schlecht. Sie bieten immer auch (versteckte) Vorteile für uns.

*Eine Anmerkung:

Hier in meinem Artikel ist von “Partner” die Rede – du kannst dafür ebenso das Wort “Partnerin” setzen. Ich habe lediglich ein Geschlecht bzw. eine Perspektive gewählt, damit dieser Beitrag leichter lesbar ist. Alle Inhalte gelten aber für alle Geschlechter.

Meine Buchempfehlung zum Thema “Den Partner akzeptieren wie er ist”

Harville Hendrix, So viel Liebe wie Du brauchst*

So viel Liebe wie du brauchst - Partner akzeptieren

Seid gut zu Euch!

Herzliche Grüße

Unterschrift Maren

Maren Sörensen von Raumfüreuch - Paartherapie Online

Maren Sörensen
Diplom-Pädagogin und Systemische Therapeutin (SG). Ist in der Nähe von Flensburg verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne und drei Enkelkinder.

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